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Musiker

Grigory Sokolov

Grigory Sokolov

geboren am 18.4.1950 in Sankt Petersburg, Nordwestrussland, Russische Föderation

Links www.kdschmid.de (Deutsch, Englisch)

Grigori Lipmanowitsch Sokolow

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Chartplatzierungen
(vorläufig)
Erklärung der Daten
Alben[1]
The Salzburg Recital
  DE 32 30.01.2015 (5 Wo.)
  AT 25 30.01.2015 (3 Wo.)
Schubert//Beethoven
  DE 36 22.01.2016 (3 Wo.)
  AT 39 29.01.2016 (1 Wo.)
Mozart – Rachmaninov: Concertos & A Conversation That Never Was
  DE 83 17.03.2017 (… Wo.)
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Grigori Lipmanowitsch Sokolow (russisch Григорий Липманович Соколов, wiss. Transliteration Grigorij Lipmanovič Sokolov; * 18. April 1950 in Leningrad) ist ein russischer Pianist. Er gilt als einer der bedeutendsten Pianisten der Gegenwart.[2]

Leben

Bekanntheit erlangte der Absolvent des Konservatoriums von Leningrad durch den Sieg beim 3. Moskauer Tschaikowsky-Wettbewerb 1966. Sokolow wurde neben dem 1. Preis in der Kategorie Klavier, nach einer Intervention des Jury-Vorsitzenden Emil Gilels,[3] auch der Gesamtsieg, die Goldmedaille des Tschaikowsky-Wettbewerbs, unter großem Protest des Publikums zugesprochen.[4]

Obwohl Sokolow in den 1970er und 1980er Jahren in der damaligen Sowjetunion eine beeindruckende Karriere machte, durfte er nur selten zu Konzertauftritten ins Ausland reisen, was ihn im Westen nur langsam bekannt werden ließ. Er gibt zudem ungern Interviews, spielt keine Aufnahmen in Studios ein und tritt nicht mit Orchester auf, da ihm die Probenzeiten für Orchesterkonzerte zu kurz sind.[5] Gefürchtet ist seine penible Art, die Stimmung des Instruments auch kurz vor Konzertbeginn noch korrigieren zu lassen.

Inzwischen hat Sokolow über 1000 Konzerte gegeben, die oftmals begeisterte Kritiken erhielten, darunter in der Carnegie Hall in New York und im Wiener Musikvereinssaal. Der zurückhaltend auftretende Künstler veröffentlichte Platteneinspielungen bei dem kleinen französischen Label Opus 111, das zu dem Independent-Label Naïve Records gehört. Darunter sind Werke von Bach, Beethoven, Brahms und Chopin.

Seine Programmzusammenstellungen erinnern an die große Zeit der russischen Virtuosenschule, die u. a. auf Anton Rubinstein zurückgeht. So scheut sich Sokolow keineswegs, einen Abend mit Froberger zu beginnen und mit Skrjabin zu beenden.

Die Deutsche Grammophon veröffentlichte im Januar 2015 einen Mitschnitt von Sokolows Salzburger Festspielkonzert im Sommer 2008 unter dem Namen The Salzburg Recital. Die Veröffentlichung wurde in der Presse überaus positiv besprochen[6] und im Oktober 2015 mit dem ECHO Klassik in der Kategorie Solistische Einspielung des Jahres ausgezeichnet. Im September 2015 sorgte Sokolow für Aufsehen, als er den italienischen Musikpreis Cremona Music Award vor dessen Verleihung zurückwies, was er in Form einer handschriftlichen Notiz auf seiner Webseite begründete.[7]

Sokolow ist für seine „makellose, brillant virtuose Technik“ bekannt, die „den Klang voll und satt […], aber nie massiv“ wirken lässt und dadurch eine „Freilegung höchster Musikalität“ ermöglicht.[8]

Sokolow ist verwitwet und lebt in Sankt Petersburg[9] und Verona.[10][11]

Zitat

Die Kunst ist ein Paralleluniversum zur Wirklichkeit. (Grigori Sokolow in einem Interview mit Christine Lemke-Matwey / Die Zeit / 28. Januar 2016)

Auszeichnungen und Ehrungen

  • 1966: 1. Preis beim Tschaikowski-Wettbewerb (jüngster Preisträger aller Zeiten)[12]
  • 2010: Klavier-Festival Ruhr – Ehrenpreis für seine außerordentlichen Leistungen
  • 2015: DaCapo KlassiK Award – Pianist of the Year
  • 2016: ECHO Klassik in der Kategorie Instrumentalist des Jahres, Klavier für die Einspielung Schubert/Beethoven
  • 2016: Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik für Schubert/Beethoven[13]
  • 2016: Aufnahme in die Gramophone Hall of Fame.[14]

Aufnahmen (Auswahl)

Tonträger

  • Johann Sebastian Bach: Goldberg-Variationen BWV 988, Partita Nr. 2 c-Moll BWV 826, Suite Nr. 2 a-Moll BWV 807. Doppel-CD, Melodija/Naxos 2013. Live-Aufnahmen der Partita BWV 826 im Jahr 1975, der Goldberg-Variationen 1982 und der Englischen Suite BWV 807 1989 im Konzertsaal des Konservatoriums Sankt Petersburg.[15]
  • The Salzburg Recital. W. A. Mozart: Sonate Nr. 2 F-Dur KV 280 und Sonate F-Dur KV 332, Frédéric Chopin: 24 Préludes op. 28, Mazurka Nr. 2 a-Moll op. 68, Mazurka Nr. 3 cis-Moll op. 63, Alexander Skrjabin: Poème Nr. 1 op. 69, Jean-Philippe Rameau: Les Sauvages, Johann Sebastian Bach: Ich ruf zu dir, Herr Jesu Christ. Doppel-CD, Deutsche Grammophon 2015. Live-Aufnahme am 30. Juli 2008 bei den Salzburger Festspielen.
  • Schubert//Beethoven. Franz Schubert: Impromptus D 899, 3 Klavierstücke D 946, Ludwig van Beethoven: Klaviersonate Nr. 29 B-Dur op. 106, Jean-Philippe Rameau: Les Tendres Plaintes, Les Tourbillons, Les Cyclopes, La Follette, Les Sauvages, Johannes Brahms: Intermezzo Nr. 2 b-Moll op. 117. Doppel-CD, Deutsche Grammophon 2016. Live-Aufnahme von Schubert im Mai 2013 im Konzertsaal der Nationalphilharmonie Warschau, die Beethoven-, Rameau- und Brahms-Aufnahmen stammen vom August 2013 aus dem Salzburger Festspielhaus.[16]
  • Chopin: Piano Concerto No. 1 mit den Münchner Philharmonikern unter Witold Rowicki. CD, Sony Music 2016. Aufnahme im November 1977 im Bürgerbräukeller München.[17]
  • W. A. Mozart: 23. Klavierkonzert in A-Dur, KV 488 mit dem Mahler Chamber Orchestra unter der Leitung von Trevor Pinnock (Aufnahme 2005 während der Salzburger Mozartwoche); Sergei Rachmaninow: 3. Klavierkonzert op. 30 in d-Moll mit dem BBC Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Yan Pascal Tortelier (Aufnahme 1995 während der BBC Proms in der Royal Albert Hall). Doppel-CD, Deutsche Grammophon 2017.

DVD

  • Grigory Sokolov – Live in Paris. Ludwig van Beethoven: Sonate Nr. 9 E-Dur op. 14 Nr. 1, Sonate Nr. 10 G-Dur op. 14 Nr. 2, Klaviersonate Nr. 15 op. 28, Komitas Vardapet: Sechs Tänze für Klavier, Sergei Prokofjew: Sonate Nr. 7 B-Dur op. 83, Frederik Chopin: Mazurka Nr. 3 cis-Moll op. 50, Mazurka Nr. 4 f-Moll op 68, François Couperin: Soeur Monique, Johann Sebastian Bach: Prelude Nr. 10 b-Moll BWV 855a. Konzertfilm, 123 Min. Regie: Bruno Monsaingeon, Produktion: Idéale Audience 2009, Aufnahme am 4. November 2002 im Théâtre des Champs-Élysées. Excerpt bereitgestellt durch EuroArtsChannel.
  • Grigory Sokolov - Live at the Berlin Philharmonie. Franz Schubert: Impromptus D 899 op. 90, Drei Klavierstücke D 946; Beethoven: Hammerklaviersonate Nr. 29 B-Dur op. 106; Rameau: Suite in D-Dur, Les sauvages; Brahms: Intermezzo op. 117 Nr. 2. Konzertfilm, 144 Min. Regie: Bruno Monsaingeon, Produktion: Idéale Audience 2014. Aufnahme am 5. Juni 2013 in der Berliner Philharmonie. Inhaltsangabe bei EuroArts.
  • Bach, Beethoven, Schubert. Johann Sebastian Bach: Partita Nr. 1 B-Dur BWV 825, Ludwig van Beethoven: Sonate Nr. 7 D-Dur op. 10 Nr. 3, Franz Schubert: Klaviersonate Nr.16 a-Moll op.42 D 845 und Moments musicaux op. 94 D 780. Konzertfilm 150 Min. Regie: Bruno Monsaingeon, Produktion: Hélène Le-Coeur in Coproduktion mit Idéale Audience und Museec/Medici.tv 2015. Aufnahme am 18. August 2015 im Grand Théâtre de Provence während des Aix-en-Provence Festival de piano de la Roque d’Anthéron. Inhaltsangabe bei Idéale Audience.
  • Grigory Sokolov: A conversation that never was. Dokumentarfilm, 52 Min. Regie: Nadia Zhdanova, Produktion: Production Centre Styline 2015. Inhaltsangabe bei EuroArts.

Quellen

  1. Chartquellen: DeutschlandÖsterreich
  2. Für Christine Lemke-Matwey ist er gar „der bedeutendste Pianist der Welt“; vgl. ihren Beitrag Grigory Sokolov. „Die Musik hört niemals auf“, in: Die Zeit, 30. April 2015 (online)
  3. Tom Service: The drama continues at the Tchaikovsky Competition in Moscow. The Guardian, 29. Juni 2011, abgerufen am 15. Januar 2016 (englisch).
  4. Alessandra Stanley: Musical Tradition of Acrimony. The New York Times, 2. Juni 1994, abgerufen am 15. Januar 2016 (englisch).
  5. James Rhodes: The greatest living pianist. The Spectator, März 2011, abgerufen am 10. Januar 2016 (englisch).
  6. Pressestimmen German. Deutsche Grammophon, abgerufen am 27. Oktober 2015.
  7. Grigory Sokolow lehnt Preis ab. Klassik Radio, 29. September 2015, archiviert vom Original am 2. Oktober 2015, abgerufen am 27. Oktober 2015.
  8. Die fabelhafte, eigenwillige, wundersame Welt des Grigory Sokolov. Crescendo, 27. Januar 2015, abgerufen am 12. November 2015.
  9. Andreas Kunz, Mario-Felix Vogt: Der Zauberer. Fono Forum, Februar 2015, abgerufen am 10. Januar 2016.
  10. Managing Migration: Point-Based System, Thirteenth Report of Session 2008-09, Volume II. House of Commons, 2009 (Volltext in der Google-Buchsuche).
  11. Harriet Smith: Icons – Grigory Sokolov. Gramophone, 22. März 2016, abgerufen am 2. Juni 2016 (englisch).
  12. Stephen Wigler: Pianist mistakes his slow style for profundity. The Baltimore Sun, 14. Juli 1992, abgerufen am 15. Januar 2016 (englisch).
  13. Jahrgang 2016. Preis der deutschen Schallplattenkritik, abgerufen am 10. Dezember 2016.
  14. Gramophone Hall of Fame. Gramophone, abgerufen am 31. Oktober 2017 (englisch).
  15. Werner Theurich: Ausnahmepianist Sokolov: Nix für Feiglinge. Spiegel Online, 9. Februar 2014, abgerufen am 13. Januar 2016.
  16. Werner Theurich: Ausnahmepianist Sokolov: Grundsanierter Schubert, aberwitziger Beethoven. Spiegel Online, 10. Januar 2016, abgerufen am 13. Januar 2016.
  17. Meret Forster: Klavierkonzert Nr. 1 von Frédéric Chopin. BR-Klassik, 2. April 2016, abgerufen am 1. Juni 2016.

Weblinks

 Commons: Grigori Lipmanowitsch Sokolow – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Diese Seite wurde zuletzt geändert am 31.10.2017 19:18:40

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