Nina Stemme

geboren am 11.5.1963 in Schweden

Nina Stemme

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Nina Maria Stemme (* 11. Mai 1963 in Stockholm als Nina Maria Thöldte[1]) ist eine schwedische Opernsängerin im Stimmfach Dramatischer Sopran.

Ausbildung

Stemme spielte in ihrer Jugend Klavier und Bratsche. Sie besuchte die Adolf-Fredrik-Musikschule (Adolf Fredriks Musikklasser) in Stockholm.[2] Während eines Auslandsjahrs als Austauschschülerin an der Langley High School in McLean, Virginia, war sie Mitglied des Schulchors, sang Soli und gewann Preise.[3]

Neben ihrem Studium der Betriebs- und Volkswirtschaft an der Universität Stockholm belegte sie einen zweijährigen Kurs am Opernstudio Stockholm. Nach ihrem Operndebüt als Cherubino beim Tuscan Sun Festival im italienischen Cortona 1989 entschied sich Stemme, eine professionelle Sängerkarriere einzuschlagen. Ihre Studien an der Opernhochschule Stockholm schloss sie 1994 ab. Kleinere Rollen an der Königlichen Oper in Stockholm folgten.[2][4]

Sie nahm an dem Wettbewerb Cardiff Singer of the World teil[5] und gewann 1993 den von Plácido Domingo gegründeten Gesangswettbewerb Operalia.[6] Danach wurde sie von Domingo eingeladen, mit ihm in einem Konzert in der Opéra Bastille zu singen. Dieses Konzert wurde am 1. Januar 1994 in München wiederholt.[7]

Laufbahn

Seit ihrem Debüt als Cherubino in Cortona ist Stemme an allen bedeutenden Opernhäusern der Welt aufgetreten, in der Scala in Mailand, der Semperoper in Dresden, am Grand Théâtre de Genève, am Teatro San Carlo in Neapel, am Teatro Colón in Buenos Aires, am Teatro Real in Madrid und am Gran Teatre del Liceu in Barcelona, an der Opéra Bastille in Paris, an der Bayerischen Staatsoper in München, an der Metropolitan Opera in New York und an der San Francisco Opera, bei den Savonlinna-Opernfestspielen und den Bregenzer Festspielen.[8]

Ihre Rollen[9] umfassen ein breites Spektrum - von der heiteren Rosalinde, der Agathe und der Figaro-Gräfin, über die tragischen Puccini-Heroinen Mimì, Cio-Cio San, Tosca, Manon Lescaut, Suor Angelica und zuletzt Turandot, Glucks Euridice, Beethovens Fidelio, Bergs Marie, Janáeks Jenfa, Strauss' Marschallin, Verdis Amelia, Leonore und Aida bis zu verschiedenartigen Wagner-Partien: Eva, Elisabeth, Senta, Elsa, Sieglinde, den drei Brünnhilden and Isolde.

2002 debütierte Nina Stemma mit außerordentlichem Erfolg bei den Salzburger Festspielen, als Nyssia in Alexander von Zemlinskys selten gespielter Oper Der König Kandaules. 2003 sang sie beim Glyndebourne Festival erstmals die Isolde und wurde wiederum von Publikum und Presse heftig akklamiert. Im Dezember 2003 debütierte sie an der Wiener Staatsoper als Senta, einer Rolle, die sie bis 2010 insgesamt 25mal dort verkörperte. Seither ist sie dem Haus am Ring eng verbunden, sang 15mal die Leonore de Vargas in La forza del destino, jeweils 12mal die Sieglinde und die Siegfried-Brünnhilde, 5mal die Minnie in La fanciulla del West, jeweils 4mal Tosca und Isolde, jeweils 3mal Feldmarschallin und Ariadne auf Naxos, sowie jeweils einmal die Brünnhilde in Walküre und Götterdämmerung.[10]

Am 24. März 2006 sang die Künstlerin an der Königlichen Oper Stockholm die Maria in der Uraufführung von Sven-David Sandströms Ordet en passion.[11] Im selben Jahr debütierte sie als Aida einer Neuinszenierung am Opernhaus Zürich. 2008 sprang sie für Deborah Voigt als Brünnhilde im Siegfried an der Wiener Staatsoper ein. Alle drei Brünnhilden sang sie 2011 in San Francisco und 2013 an der Wiener Staatsoper, sowie konzertant bei den Londoner Proms unter Daniel Barenboim.

Für das Jahr 2015 ist eine weitere Uraufführung geplant, Stemme wird an der GöteborgsOperan eine neue Oper von Hans Gefors nach einem Libretto von Kerstin Perski aus der Taufe heben. Inszenieren wird Keith Warner. Die Oper beruht auf Alfred Hitchcocks Spionagethriller Notorious aus dem Jahr 1946. Zur Besetzung zählen auch Katarina Karnéus, John Lundgren und Michael Weinius.[12]

Isolde

Die Isolde wurde seit dem Glyndebourne-Debüt 2003[13] zur Paraderolle der Künstlerin. Sie sang diese Rolle auch bei den Bayreuther Festspielen 2005 und 2006, kehrte mit ihr 2007 nach Glyndebourne zurück, verkörperte sie an der Königlichen Oper Stockholm und am Opernhaus Zürich (2008), am Royal Opera House in London (2009),[14] bei den Münchner Opernfestspielen (2011), konzertant in der Salle Pleyel in Paris (2012), wiederum szenisch 2013 an der Houston Grand Opera und schließlich auch an der Wiener Staatsoper. Applaus und Kritik waren allerorts überschwänglich, hier ein Beispiel:

"Es ist dem geneigten, regelmäßigen und potenziellen Opern-Publikum von einem Ereignis zu berichten. Dieses trägt einen Namen, und der lautet Nina Stemme. [] Stemmes Sopran ist enorm groß und höchst dramatisch, im nächsten Moment aber zu feinsten Lyrismen fähig. Ihre Spitzentöne sind präzise und durchschlagskräftig, dabei aber nie schrill. In den mittleren und tieferen Lagen besticht ihre Stimme mit einem geradezu noblen, warmen Timbre. Man hat als Hörer nie das Gefühl, dass sie an ihr Limit gehen muss auch wenn sie das bei dieser Partie selbstverständlich tut."

(Gert Korentschnig: Wagner-Rausch, Isolden-Wunder[15])

Drei CDs sind ihrer Isolde gewidmet. Die erste ist 2005 bei EMI Classics erschienen - mit Plácido Domingo, Mihoko Fujimura, René Pape, Olaf Bär, Jared Holt, Rolando Villazón, Ian Bostridge, Matthew Rose, sowie Chor und Orchester des Royal Opera House unter Leitung von Antonio Pappano. Die zweite ist eine DVD der Glyndebourner Inszenierung von Nikolaus Lehnhoff aus dem Jahr 2007. Weiters besteht ein Live-Mitschnitt aus dem Jahr 2012, mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter Marek Janowski.

Wesendonck-Lieder

Alleinstellung kann die Künstlerin auch als Interpretin von Wagners Wesendonck-Liedern beanspruchen, zumindest seit 2010, als sie diese bei den Salzburger Festspielen im Haus für Mozart mit dem Swedish Chamber Orchestra unter Leitung von Thomas Dausgaard sang. Zwei Jahre später kehrte sie mit diesem Liedzyklus nach Salzburg zurück, diesmal im Großen Festspielhaus mit den Wiener Philharmonikern unter Mariss Jansons. Beide Konzerte wurden auf Tonträgern veröffentlicht. Es besteht weiters eine dritte Aufnahme (von Phaedra), diesmal als Klavierversion mit Jozef De Beenhouwer als Begleiter.

Persönliches

Stemme spricht fünf Sprachen. Sie ist mit dem Bühnenbildner Bengt Gomér verheiratet und hat drei Kinder.[2] Die Familie lebt in Stockholm

Einschätzung der Kritik

Stemme gilt als einer der bedeutendsten Wagner-Soprane ihrer Zeit.[16] Der Evening Standard beschreibt ihre Isolde als The thrilling Triumph" des Glyndebourne Opera Festivals[17] und die The New York Times konstatierte anlässlich ihrer Brünnhilde in San Francisco: Nina Stemme sang gloriously. It's hard to recall anyone's sounding more commanding or at ease in the part, and that includes Kirsten Flagstad.[18]

Auszeichnungen

  • 1993 Gewinnerin des Gesangswettbewerbs Operalia, Paris
  • 2004 Opernpreis des Svenska Dagbladet[19]
  • 2005 Sängerin des Jahres in der Kritikerumfrage der Zeitschrift Opernwelt[20]
  • 2006 Mitglied der Königlich Schwedischen Musikakademie[21]
  • 2006 Schwedische Hofsängerin (Hovsångerska), ernannt von König Carl XVI. Gustaf[22]
  • 2008 Königliche Medaille Litteris et Artibus, Schweden[23][24]
  • 2010 Laurence Olivier Award for Outstanding Achievement in Opera[25]
  • 2010 Kritikerpreis Premio Abbiati, Italien[26]
  • 2012 Sängerin des Jahres in der Kritikerumfrage der Zeitschrift Opernwelt[20]
  • 2012 Österreichische Kammersängerin[27]
  • 2012 Gramophone Award für die beste Opernaufnahme für ihre DECCA-Einspielung von Fidelio unter Claudio Abbado[28]
  • 2013 International Opera Awards als world's leading female opera singer[29]
  • 2013 Opera News Award[30]

Repertoire

Stemmes Repertoire umfasst folgende Rollen:[8]

Jahr (Debüt) Komponist Oper Rolle(n) Ort
2011 Ludwig van Beethoven Fidelio Leonore Royal Opera House
Alban Berg Wozzeck Marie
Christoph Willibald Gluck Orfeo ed Euridice Euridice
Charles Gounod Faust Marie
Joseph Haydn La fedeltà premiata Diana
Leo Janáek Jenfa Jenfa
Bohuslav Martin The Greek Passion Katerina
Wolfgang Amadeus Mozart Le nozze di Figaro Contessa
1989 Wolfgang Amadeus Mozart Le nozze di Figaro Cherubino Cortona
2011 Giacomo Puccini La fanciulla del West Minnie Königliche Oper Stockholm
Giacomo Puccini Madama Butterfly Cio-Cio San
Giacomo Puccini Manon Lescaut Manon
Giacomo Puccini Suor Angelica Angelica
Giacomo Puccini Tosca Tosca
2013 Giacomo Puccini Turandot Turandot Königliche Oper Stockholm
Dmitri Shostakovich Lady Macbeth von Mzensk Katerina Ismailowa
Johann Strauss Die Fledermaus Rosalinde
2006 Richard Strauss Arabella Arabella GöteborgsOperan
Richard Strauss Ariadne auf Naxos Ariadne
Richard Strauss Der Rosenkavalier Marschallin
2009 Richard Strauss Salome Salome Gran Teatre del Liceu Barcelona
Pjotr Iljitsch Tschaikowski Eugen Onegin Tatjana
2006 Giuseppe Verdi Aida Aida Oper Zürich
Giuseppe Verdi La forza del destino Leonora
Giuseppe Verdi Un ballo in maschera Amelia
1994 Richard Wagner Das Rheingold Freia Bayreuther Festspiele
Richard Wagner Der fliegende Holländer Senta
Richard Wagner Die Meistersinger von Nürnberg Eva
Richard Wagner Lohengrin Elsa
Richard Wagner Tannhäuser und der Sängerkrieg auf Wartburg Elisabeth
2003 Richard Wagner Tristan und Isolde Isolde Glyndebourne Festival Opera
2009 Richard Wagner Die Walküre Sieglinde Wiener Staatsoper
2009 Richard Wagner Siegfried Brünnhilde Wiener Staatsoper
2010 Richard Wagner Die Walküre Brünnhilde San Francisco Opera
2011 Richard Wagner Götterdämmerung Brünnhilde San Francisco Opera
Carl Maria von Weber Der Freischütz Agathe
Carl Maria von Weber Oberon Rezia
2002 Alexander von Zemlinsky Der König Kandaules Nyssia Salzburger Festspiele

Diskografie (Auswahl)

Opern-Gesamtaufnahmen

  • Isolde in Richard Wagners Tristan und Isolde. (3 CD + 1 DVD). EMI 7243 5 58006 2 6
  • Isolde in Tristan und Isolde. Glyndebourne Festival. Dir. Jiri Belohlavek. Opus Arte DVD OA 0988 D
  • Leonore in Fidelio. Dir. Claudio Abbado. Salzburger Festspiele. Decca 478 2551 (box), (478 2552, 478 2553)
  • Titelrolle in Jenufa. Dir. Peter Schneider. Live aus dem Gran Teatre del Liceu, Barcelona, 2005. DVD. Naxos
  • Senta in Der fliegende Holländer. Dir. David Parry. Chandos 3119 (2 CD). (Opera in English)
  • Titelrolle in Aida. Züricher Oper. Dir. Ádám Fischer. DVD. BelAir Classics
  • Marschallin in Der Rosenkavalier. Chor und Orchester der Züricher Oper. Nina Stemme, mit Malin Hartelius. Dir. Franz Welser-Möst. EMI. DVD
  • Leonora in La forza del destino. Chor und Orchestra der Wiener Staatsoper, dir. Zubin Mehta. Unitel classics (PROFIL 708108). DVD.
  • Victoria und She/soprano in Ingvar Lidholm: Ett drömspel (nach Strindbergs Traumspiel), mit Håkan Hagegård. Caprice CAP 22029:1-2. (2 CD)
  • Isolde in Tristan und Isolde. Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, live 27. März 2012. Dir. Marek Janowski. PentatoneClassics PTC 5186404.
  • Elisabeth in Tannhäuser. Dir. Marek Janowski. PentatoneClassics PTC 5186405
  • Minnie in La fanciulla del West. DVD. Dir. Pier Giorgio Morandi. Königliche Oper Stockholm. Euroarts Unitel Classica
  • Brünnhilde in Die Walküre. Mit Jonas Kaufmann, Anja Kampe, René Pape. Mariinsky Orchestra, Dir. Waleri Gergijew. MARO527
  • Sieglinde in Die Walküre. Dir. Franz Welser-Möst. Wiener Staatsoper, 2. Dezember 2007. Orfeo C875 131B

Lieder, Konzerte, Ausschnitte

  • Strauss, Richard: Vier letzte Lieder, Schlußszenen aus Capriccio und Salome. EMI Classics 0946 3 78797 2 6
  • Mortelmans, Lodewijk: Konzertarie Mignon (Kennst du das Land). Zsolt Hamar, Dirigent; Flämisches Rundfunkorchester. In Flanders' Fields, vol. 33. Phaedra 92033
  • The First Operalia Competition - Gala Concert. Dir. Eugene Kohn. Sony classical 01-046691-10
  • Wagner, Richard: Wesendonck-Lieder. Swedish Chamber Orchestra. Dir. Thomas Dausgaard. BIS 2022
  • Wesendonck-Lieder; Nystroems Songs by the sea; De Boecks Seven French songs. Jozef De Beenhouwer, Klavier. In Flanders' Fields, vol. 40. Phaedra 92040
  • Wesendonck-Lieder. Salzburger Festspiele, Wiener Philharmoniker, dir Mariss Jansons. DVD Euroarts.

Weblinks

Nachweise

  1. Schwedische Genealogie-CD, vgl. http://www.genealogi.se/wiki/index.php/Sveriges_befolkning_1970
  2. 2,0 2,1 2,2 En vanlig stjärna | Kultur | SvD
  3. http://www.nytimes.com/2012/05/20/arts/music/nina-stemme-in-a-rare-new-york-visit-takes-on-salome.html?_r=0
  4. People Nordstjernan
  5. BBC Cardiff Singer of the World 30 years | Blogs | Features | Sinfini Music
  6. Operalia
  7. Nina Stemme | Biography | AllMusic
  8. 8,0 8,1 KS Nina Stemme (Sopran): Biographie
  9. Wagneropera web page
  10. Stand vom 15. Oktober 2013, siehe: http://db-staatsoper.die-antwort.eu/search/person/3923
  11. Sven-David Sandström - Works, Genre
  12. http://sv.opera.se/press/2013/nina-stemme-i-notorious-pa-goteborgsoperan
  13. Tristan und Isolde | Glyndebourne
  14. McHugh, Dominic (2009-09-13). Nina Stemme on The Royal Opera's new production of Tristan und Isolde. MusicalCriticism.com. Gefunden am 2013-06-15.
  15. Kurier (Wien), 14. Juni 2013
  16. Emerging Pictures, 8. November 2012
  17. Fiona Maddocks, Evening Standard, 2. August 2007
  18. "In Italy, a Political Opera About Opera" von Michael Kimmelman, The New York Times 11. Dezember 2010
  19. http://www.svd.se/ Svenska Dagbladets official web page
  20. 20,0 20,1 http://www.opernwelt.de/ official web page
  21. Kungliga Musikaliska Akademien
  22. http://www.kungahuset.se/royalcourt Swedish Royal Court official home page
  23. Nina Stemme | The Royal Court
  24. Nina Stemme | Wagneropera.net
  25. Olivier Awards web page
  26. Associazione Nazionale Critici Musicali web page
  27. Nina Stemme Named "Österreichische Kammersängerin"
  28. gramophone.co.uk
  29. Nina Stemme bäst i världen Kultur UNT.se
  30. http://www.operanews.com,/ September 2013. Vol. 78, No. 3
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Diese Seite wurde zuletzt geändert am 21.02.2014 02:04:09

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