Kenny Wheeler

Kenny Wheeler

geboren am 14.1.1930 in Toronto, Ontario, Kanada

gestorben am 18.9.2014 in London, England, Grossbritannien

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Kenny Wheeler

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Kenneth Vincent John „Kenny“ Wheeler (* 14. Januar 1930 in St. Catharines, Ontario; † 18. September 2014 in London[1]) war ein kanadischer Jazz-Trompeter, -Flügelhornist und Komponist. Er galt als „eine der hintergründigsten und orginellsten Jazzstimmen weltweit.“[2] Ian Carr stellte die Eindringlichkeit seines Spiels heraus: „Eine Art angespannter, romantischer Melancholie.“[3]

Leben und Wirken

Wheeler, der mit 12 Jahren das Kornett erlernte, studierte 1950 bis 1951 Harmonielehre und Trompete am Royal Conservatory in Toronto. 1952 siedelte er nach London über. Hier trat er mit traditionellen Swing- und Tanzbands auf, arbeitete aber auch mit Musikern wie Joe Harriott und Ronnie Scott. 1959 trat er beim Newport Jazz Festival mit John Dankworths Boporchestra auf, dem er bis 1965 angehörte. Daneben studierte er Komposition bei Richard Rodney Bennett und Bill Russo. Von 1966 bis 1970 gehörte er zum Spontaneous Music Ensemble um John Stevens. 1968 entstand unter seiner Leitung mit dem Orchester von Dankworth das Album Windmill Tilter, eine Suite eigener Kompositionen nach Don Quijote von Cervantes.

Von 1969 bis 1972 gehörte er (neben Derek Bailey und Evan Parker) dem Sextett von Tony Oxley an, daneben von 1969 bis 1975 dem Mike Gibbs Orchestra. Zwischen 1970 und 2006 arbeitete er auch regelmäßig in Alexander von Schlippenbachs Globe Unity Orchestra. Von 1971 bis 1976 war er Mitglied im Quartett von Anthony Braxton. Nachdem 1975 sein großformatiges Album Song for Someone im Melody Maker als „Album des Jahres“ gewürdigt wurde, spielte er 1976 in Quartett-Besetzung mit Keith Jarrett, Dave Holland und Jack DeJohnette das Album Gnu High ein. Ein Jahr später gründete er mit Norma Winstone und John Taylor das Trio Azimuth, mit dem bis 1997 sechs Alben entstanden. Von 1983 bis 1987 gehörte er dem Dave Holland Quintet an. Anfang der 1990er Jahre war er Mitglied im Dedication Orchestra.

Daneben spielte Wheeler auch Jazz-Rock, u. a. mit Mike Gibbs (Anfang der 1970er Jahre), Bill Bruford (1978) und gelegentlich im United Jazz and Rock Ensemble (seit 1978). Viele Kritiker verbinden im Schaffen Wheelers mit den 1990er Jahren eine weitere Steigerung, etwa mit seinem Alben Music for Large and Small Ensemble, Kayak oder 1997 Angel Song, einem Quartettalbum mit Lee Konitz, Bill Frisell und Dave Holland.[4]

2005 wurde Wheeler mit der German Jazz Trophy ausgezeichnet, als fünfter Preisträger nach Erwin Lehn, Paul Kuhn, Wolfgang Dauner und Toots Thielemans. Wheeler lebte zuletzt in einem Pflegeheim in Essex.[5]

Wheeler wurde zu Lebzeiten mit einer Ausstellung in der Royal Academy of Music in London geehrt: Master of Melancholy Chaos.[2] Nach Wheeler wurde der Kenny Wheeler Music Prize benannt, der seit 2011 jedes Jahr an den Absolventen der Akademie vergeben wird, der sowohl in seinem Vortrag als auch in seinen Kompositionen Exzellenz zeigt.[6]

Diskografische Hinweise

  • Windmill Tilter (Fontana, 1968)
  • Song for Someone (Incus, 1973)
  • Gnu High (ECM, 1975)
  • Deer Wan (ECM, 1977) mit Jan Garbarek, John Abercrombie, Ralph Towner, Dave Holland, Jack DeJohnette[7]
  • Around 6 (ECM, 1980)
  • Double, Double You (ECM, 1983)
  • Flutter By, Butterfly (Soul Note, 1988)
  • Music for Large & Small Ensembles (ECM, 1990)
  • The Widow in the Window (ECM, 1990)
  • Kayak (AhUm, 1992)
  • All the More (Soul Note, 1997)
  • Angel Song (ECM, 1997) mit Lee Konitz, Bill Frisell, Dave Holland
  • A Long Time Ago (ECM, 1999)
  • What Now? (CAM Jazz, 2005)
  • It Takes Two (CAM Jazz, 2006)
  • Other People (CAM Jazz, 2008) mit John Taylor, Hugo Wolf Quartett
  • Six for Six (CAM Jazz, 2008)[8] mit Stan Sulzmann, Bobby Wellins, John Taylor, Chris Laurence, Martin France
  • The Long Waiting (CAM Jazz, 2011) mit Diana Torto, Henry Lowther, Derek Watkins, Tony Fisher, Nick Smart, Dave Horler, Mark Nightingale, Barnaby Dickinson, Dave Stewart, Ray Warleigh, Duncan Lamont, Stan Sulzmann, Julian Siegel, Julian Argüelles, John Taylor, John Parricelli, Chris Laurence, Martin France, Pete Churchill
  • Songs for Quintet (ECM, 2014) mit Stan Sulzmann, John Parricelli, Chris Laurence, Martin France

Literatur

  • Carlo Bohländer, Karl Heinz Holler, Christian Pfarr: Reclams Jazzführer. 5., durchgesehene und ergänzte Auflage. Reclam, Stuttgart 2000, ISBN 3-15-010464-5.
  • Ian Carr, Brian Priestley, Digby Fairweather (Hrsg.): Jazz Rough Guide. Der ultimative Führer zum Jazz. 1700 Künstler und Bands von den Anfängen bis heute. Metzler Verlag, Stuttgart 1999, ISBN 3-476-01584-X.
  • Richard Cook, Brian Morton: The Penguin Guide to Jazz Recordings. 8. Auflage. Penguin, London 2006, ISBN 0-14-102327-9.
  • Leonard Feather, Ira Gitler: The Biographical Encyclopedia of Jazz. Oxford University Press, New York 1999, ISBN 0-19-532000-X.

Weblinks

 Commons: Kenny Wheeler – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. RIP, Kenny Wheeler, Nachruf von Peter Hum im Jazzblog des Ottawa Citizen am 19. September 2014. Englisch
  2. a b Kenny Wheeler: Master of Melancholy Chaos, Text zu einer Ausstellung über Kenny Wheeler in der Royal Academy of Music 2013–2014 (archiviert)
  3. Ian Carr, in: Jazz Rough Guide, S. 691
  4. Kenny Wheeler, Contemporary Jazz Musician, Dies Aged 84, The Guardian, 19. September 2014
  5. Peter Hum: The Kenny Wheeler Jazz Benefit Challenge im Ottawa Citizen, 2. September 2014
  6. Kenny Wheeler Music Prize
  7. „Es gibt nicht viele Soli von mir, die mir als Ganzes gefallen … Vielleicht sind es die Soli auf Deer Wan, mit denen ich leben kann,“ äußerte sich Wheeler sehr selbstkritisch. Zit. n. Ian Carr, in: Jazz Rough Guide, S. 691
  8. Besprechung Allaboutjazz
Diese Seite wurde zuletzt geändert am 21.10.2018 20:01:14

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