Heinz Rudolf Kunze

Heinz Rudolf Kunze

geboren am 30.11.1956 in Esplekamp, Nordrhein-Westfalen, Deutschland

Links www.heinzrudolfkunze.de (Deutsch)

Heinz Rudolf Kunze

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Heinz Rudolf Erich Arthur Kunze (* 30. November 1956 in Espelkamp-Mittwald) ist ein deutscher Schriftsteller, Rocksänger, Musicaltexter/-übersetzer und Dozent der Hochschule Osnabrück. Seinen größten Single-Erfolg hatte er 1985 mit Dein ist mein ganzes Herz. Sein Freund und Manager Wolfgang Stute begleitet ihn gelegentlich auch musikalisch.

Leben

Jugend

Die Familie von Kunze stammte aus Guben (Niederlausitz). Kunzes Vater, der als Frontoffizier bei der Waffen-SS gedient hatte, war erst 1956 aus der Kriegsgefangenschaft heimgekehrt. Kunze besuchte das Graf-Stauffenberg-Gymnasium in Osnabrück. Anschließend studierte er Germanistik und Philosophie. Das Studium beendete er mit dem Ersten und Zweiten Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien.

In einem Interview gab Kunze an, sich im Alter von 13 Jahren an dem Musiker Pete Townshend orientiert zu haben.[1]

Mitte der 1970er Jahre gewann Heinz Rudolf Kunze den 1. Preis für Kurzprosa in einem Literaturwettbewerb.

1980 bis 1999

Kunze begann seine künstlerische Laufbahn am 9. November 1980: Er nahm, musikalisch begleitet von Mick Franke, teil am Pop-Nachwuchs-Festival im Stadttheater Würzburg, das die Deutsche Phono-Akademie zum dritten Mal veranstaltete. Die Jury unter Leitung von Michael Kunze (der mit Heinz Rudolf Kunze weder verwandt noch verschwägert ist) kürte ihn zu den Preisträgern in der Sparte Folk, Lied, Song. Sein Titel Bestandsaufnahme (Länge: 8:27 Minuten) schaffte es in voller Länge auf die gleichnamige Festival-LP (CBS 84845) und wurde damit zu Kunzes erster Schallplatten-Aufnahme. Produzent Siegfried Loch holte Kunze mit einem 5-Jahres-Vertrag zur Plattenfirma WEA.

Das Debütalbum Reine Nervensache (1981) wurde wohlwollend aufgenommen und schon das nachfolgende Album Eine Form von Gewalt 1982 mit dem Deutschen Schallplattenpreis ausgezeichnet. Kurz danach begann Kunze parallel erste journalistische Arbeiten: Für den Spiegel verfasste er ein Randy-Newman-Essay und moderierte für den NDR sowie den SFB eigene Radiosendungen.

Ein erster kommerzieller Erfolg gelang Kunze 1984 zuerst mit der Single Sicherheitsdienst und wenig später mit der deutschen Version des Kinks-Klassikers Lola. Nach Aufnahme des Komponisten und Gitarristen Heiner Lürig in seine Band 1985 konnte Kunze weitere Single-Erfolge feiern, darunter 1985 Dein ist mein ganzes Herz (in dem Text wird die berühmte gleichnamige Arie aus Das Land des Lächelns von Ludwig Herzer und Fritz Löhner-Beda zitiert) und 1986 Mit Leib und Seele. In der Folge wurde der Musiker erstmals mit der goldenen Stimmgabel ausgezeichnet und tourte durch die DDR. Ende der 80er Jahre begann auch seine Zusammenarbeit mit Herman van Veen, für dessen Alben er seitdem regelmäßig Songbeiträge leistet.

Heinz Rudolf Kunze, der seit 1984 eigene Bücher veröffentlicht, ging 1990 mit einem literarischen Programm auf Tour durch das wiedervereinigte Deutschland, konnte aber kommerziell zu Anfang der 1990er-Jahre nicht wieder an die früheren Erfolge anknüpfen. Im Jahr 1993 ereignete sich in Kunzes Garten ein schweres Unglück, als sein Hund in Kunzes Abwesenheit ein Kind tötete.[2] Nach dem Album Kunze: Macht Musik trennte er sich von fast allen Musikern seiner Band Verstärkung. 1996 beklagte Kunze in einem Interview des Spiegel als Sprecher von rund 600 deutschsprachigen Künstlern die Flut von ausländischer Musik und eben auch ausländischem Schund und sprach sich für eine Mindestquote deutscher Rockmusik im Radio aus.[3]. Diese Forderung stieß in vielen deutschen Medien auf Kritik.

1999 kehrte für Kunze mit der Lürig-Komposition Aller Herren Länder der Erfolg zurück, für die er erneut die goldene Stimmgabel erhielt und den Fred-Jay-Preis der GEMA. Ebenfalls 1999 folgte eine goldene CD für die Übersetzungsarbeit am Musical Miss Saigon. Kunze nutzte das Interesse der Öffentlichkeit an ihm, um nochmals für das Deutsche Rock Radio-Projekt zu werben.

2000 bis 2009

Die nach der Jahrtausendwende veröffentlichten Alben Heinz Rudolf Kunzes konnten mit Blick auf die Verkaufszahlen nicht mehr an alte Erfolge anknüpfen. Kunze setzte die Reihe seiner Buch-Veröffentlichungen fort und schrieb das Libretto für gleich zwei Shakespeare-Musicals nach der Musik von Heiner Lürig (Ein Sommernachtstraum, Kleider machen Liebe oder: Was ihr wollt). Nach den Musical-Erfolgen durften sich beide Künstler 2003 in das Goldene Buch der Stadt Hannover eintragen, womit eine Art Rückschau auf Kunzes künstlerisches Werk begann. In der Folge erhielt er den Praetorius Musikpreis und den Niedersächsischen Staatspreis des Landes Niedersachsen für sein Lebenswerk. 2007 wurde ihm von Dieter Thomas Heck eine weitere Goldene Stimmgabel verliehen, ebenfalls für sein Lebenswerk.

Nachdem Heinz Rudolf Kunze 2003 wiederum fast alle Musiker seiner Verstärkung ausgewechselt hatte, trennte sich Dauerpartner Heiner Lürig von ihm, kehrte aber 2005 nochmals für zwei Studioalben zu ihm zurück. Am 25. Oktober 2004 unterschrieb Heinz Rudolf Kunze einen neuen Vertrag bei der Bertelsmann Music Group (BMG). Kunze feierte 2005 sein 25-jähriges Bühnenjubiläum, das der WDR für den Rockpalast aufzeichnete. 2006 war er in der Jury des Gospel-Award der Fernseharbeit der evangelischen und der katholischen Kirche sowie der christlichen Hilfsorganisation World Vision Deutschland[4][5]

Die von der Plattenfirma forcierte und letztlich erfolglose Teilnahme Kunzes an der deutschen Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest 2007 wurde in den Medien als Comebackversuch (BILD) gewertet; die dort vorgestellte Single fand nicht den Weg in die Plattenläden. Da der erhoffte kommerzielle Erfolg ausblieb, gingen Lürig und Kunze seit Mitte 2008 getrennte Wege. Während Lürig mit Hausboot (und der ehemaligen Kunze-Verstärkung: Martin Huch, Raul Walton, Marius Lürig) eine neue Band gründete, kündigte Kunze für 2009 mit Protest ein weiteres Album an, das im Herbst 2008 von Leo Schmidthals produziert wurde.

Mit dem im Januar 2009 erschienenen Album gelang Kunze der Einstieg auf Position 15 der Verkaufscharts; die drei ausgekoppelten Singles wurden von der BMG nicht als Tonträger sondern nur als Musik-Download veröffentlicht und konnten sich sämtlich nicht in den Deutschen Verkaufscharts platzieren. Wie beim Abschluss der Protest-Tournee am 28. Juni 2009 in Kiel bekanntgegeben wurde, soll dieses Konzert das letzte HRK-Konzert mit Verstärkung bis zum Jahre 2011 sein, denn der Künstler werde sich nunmehr auf seine akustischen Liveauftritte im Räuberzivil-Trio mit Wolfgang Stute und Hajo Hoffmann konzentrieren und auch weiter zusammen mit Purple Schulz auftreten. Zudem erschien im Herbst 2009 mit Saldo Mortale ein weiteres Buch mit bislang unveröffentlichten Texten.

Heinz Rudolf Kunze ist in zweiter Ehe mit einer Konflikttrainerin verheiratet; einen Tag vor der Eheschließung im September 2009 erschien sein Doppelalbum Räuberzivil. Das 2009er Cover von Dein ist mein ganzes Herz, Mi Corazon (von Jay Del Alma ins Spanische übertragen), wurde auch in einer zweisprachigen Fassung, in der Kunze selbst die deutschsprachigen Parts seines größten Hits übernimmt, veröffentlicht.

Seit 2010

2010 veröffentlichte Heinz Rudolf Kunze eine DVD-Box unter dem Titel "In alter Frische" mit seinen wichtigsten Rockpalast-Auftritten inkl. einer Bonus-CD mit dem Livemitschnitt eines Auftritts in der ehemaligen DDR.

Im Sommer 2010 hat Heinz Rudolf Kunze ein neues Studio-Album aufgenommen, das im Januar 2011 unter dem Titel "Die Gunst der Stunde" zu seinem 30. Bühnenjubiläum erschienen ist. Produziert wurde es erstmals von Kunze selbst; als Co-Produzent fungierte Leo Schmidthals. Auf die Veröffentlichung soll im Frühjahr 2011 eine Heinz Rudolf Kunze & Verstärkung-Tour durch Deutschland folgen, für die Kunze nach fast zwei Jahrzehnten den Konzertveranstalter gewechselt hat.

Weiteres Engagement

Heinz Rudolf Kunzes Aktivitäten sind gelegentlich ebenso vielseitig wie widersprüchlich. Nachdem sich seine Äußerungen gegenüber der Presse im März 2003 so interpretieren lassen, dass er für den Irak-Krieg sei [6], bekannte sich der Künstler im selben Jahr auf einem Konzert in Hamburg als Gegner des Irak-Krieges (siehe auch DVD Dabei sein ist alles). Neben seiner Rockmusik komponierte er auch die Hymne des Evangelischen Kirchentages (Mehr als dies) und Musik für die Zeichentrickserie Little Amadeus, war Sachverständiger in der Enquête-Kommission Kultur in Deutschland [7] des Deutschen Bundestages, agiert in den ARD-Fernsehserien In aller Freundschaft und Großstadtrevier als Schauspieler, in letzterer in der 289. Folge (Bretter, die die Welt bedeuten) in einem Cameo-Auftritt. Daneben hält er Lesungen in Gasthöfen und Kirchen, macht in Fernsehshows wie Das perfekte Promi-Dinner und Das große Einseifen mit, lehrt als Dozent der Hochschule Osnabrück im Studiengang Popularmusik das Songschreiben und ging mit Purple Schulz auf Tournee. Am 13. November 2009 übernahm er die Schirmherrschaft des Gemeinnützigen Projekte Der Straßenchor in Berlin, dieser wurde vom ZDF in einer achteiligen Doku-Reihe begleitet.[8]

Diskografie

Hauptartikel: Heinz Rudolf Kunze/Diskografie Heinz Rudolf Kunze/Diskografie

Musicals

  • 1987 Les Misérables (deutsche Version: Übersetzung HRK)
  • 1994 Miss Saigon (deutsche Version: Übersetzung HRK)
  • 1996 Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat (deutsche Version: Übersetzung HRK)
  • 1999 RENT (deutsche Version: Übersetzung HRK)
  • 2003 Ein Sommernachtstraum (nach Shakespeare, HRK gemeinsam mit Heiner Lürig)
  • 2004 POE Pech und Schwefel (HRK gemeinsam mit Frank Nimsgern)
  • 2007 Kleider machen Liebe oder: Was ihr wollt (nach Shakespeare, HRK gem. mit Heiner Lürig)

Literatur

  • 1984 Deutsche Wertarbeit Lieder und Texte 1980-1982
  • 1986 Papierkrieg Lieder und Texte 1983-1985
  • 1992 Mücken und Elefanten Lieder und Texte 1986-1991
  • 1995 Nicht daß ich wüßte Lieder und Texte 1992-1995
  • 1997 Heimatfront Lieder und Texte 1995-1997
  • 1999 heinz rudolf kunze: agent provocateur (mit beiliegender Live-CD)
  • 2001 Klärwerk Lieder und Texte 1998-2000
  • 2003 Vorschuß statt Lorbeeren Lieder und Texte 2000-2002 (mit Lese-CD)
  • 2004 Ein Sommernachtstraum Das Musical nach William Shakespeare
  • 2004 A Cure for Gravity Ein Mittel gegen die Schwerkraft Joe Jackson & Heinz Rudolf Kunze live (Lese-CD)
  • 2005 Artgerechte Haltung Lieder und Texte 2003-2005 (mit Lese-CD)
  • 2007 Ein Mann sagt mehr als tausend Worte Lieder und Texte 2006-2007 (mit Lese-CD)
  • 2009 - Saldo Mortale - Texte 2007-2009

Außerdem sind frühe Text-Werke von Heinz Rudolf Kunze in folgenden Anthologien erschienen:

  • 1975 Osnabrücker Autoren. Lyrik + Prosa. Bünde 1975: 8 Texte. [9]
  • 1979 Schreibfreiheit. Lyrik und Prosa. Osnabrück 1979: 9 Texte. [10]

Sonstige Veröffentlichung

  • 1986 - Der Favorit oder: Die vielen Gesichter im leeren Spiegel - Biographie über David Bowie von Heinz Rudolf Kunze in Idole 8, Rock & Schock, Verlag Ullstein, Hrsg. Siegfried Schmidt-Joos, ISBN 3-548-36529-9. Der gleichnamige Text erschien auch als 9-teilige Hörspielreihe im NDR mit Heinz Rudolf Kunze als Sprecher.

Darüber hinaus haben andere Autoren folgende Bücher (bzw. Publikationen) über Heinz Rudolf Kunze veröffentlicht:

  • 1988 - Ein partiell genialer Barbar - Notizen zu Heinz Rudolf Kunze und seiner neuen Platte Einer für alle von Tom R. Schulz. 16-seitige Begleit-Broschüre (Format A4) zur gleichnamigen Tournee 1988-1989. Eine Publikation der WEA-Presseabteilung Hamburg.
  • 1999 - heinz rudolf kunze - agent provocateur Peter Badge (limitierte Auflage - 2000 nummerierte Exemplare, 100 römisch nummerierte Exemplare gelangten nicht in den Handel)
  • 2005 Silbermond samt Stirnenfuß Texte und Musik von Heinz Rudolf Kunze zwischen 1980 und 2005 von Holger Zürch. ISBN 3-938873-31-0
  • 2006 Wurzeln schlagen Heinz Rudolf Kunze zum 30. November 2006; Das Buch zum Baum und zum 50er Jubiläum. Limitierte, einmalige Auflage (vergriffen); herausgegeben von Holger Zürch
  • 2007 Heinz Rudolf Kunze Meine eigenen Wege. Die Biographie von Karl-Heinz Barthelmes
  • 2008 Woran man mit mir war - Heinz Rudolf Kunze: 2005 bis 2008 von Holger Zürch. Erschienen als ISBN 978-3-86901-008-3 sowie mit teilweise verändertem Text- und Bild-Inhalt als Fan-Edition (limitierte, einmalige Auflage vergriffen).

Auszeichnungen

  • Goldene Stimmgabel
    • 1986, 1999, 2007
  • RSH-Gold
    • 2000: in der Kategorie Erfolgreichster Künstler National[11]

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Tagesspiegel: Heinz Rudolf Kunze im Gespräch: Meine Musik soll man beim Sex hören, 22. Januar 2001
  2. Peter E. Müller: Der "alte Grantler" schlägt wieder zu, Gespräch mit Heinz Rudolf Kunze, Berliner Morgenpost, März 1994
  3. Rudolf Augstein (Hrsg.): Austritt aus der Nato, Interview mit Heinz Rudolf Kunze über Rundfunk-Quoten für deutschen Rock. In: Spiegel. Nr. 25, 17. Juni 1996, S. 188 (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-8939800.html;+Stand:+11. März 2008).
  4. Der Gospel-Award geht in die Dritte Runde. 2006 (Zugriff am 2010-07-08)
  5. http://www.feuerflamme.de/musicchannel/news_show.php?show=618&select=news
  6. Interview in Neues Deutschland, 17. März 2003
  7. Enquete-Kommission "Kultur in Deutschland"
  8. Heinz Rudolf Kunze übernimmt Schirmherrschaft des Projekts "Der Straßenchor" (Zugriff 26. November 2009)
  9. Herausgegeben von Gudula Budke im Namen der Literarischen Gruppe Osnabrück. Verlag Wilfried Th. Sieber, ISBN 3-87968-012-4, S. 73-82
  10. Herausgegeben von Gudula Budke im Namen der Literarischen Gruppe Osnabrück e.V., Edition Literatur Osnabrück, ohne ISBN. S. 108-117
  11. RSH-Gold Verleihung 2000
Normdaten: Personennamendatei (PND): 11950-1465 | Library of Congress Control Number (LCCN): n 85247693 | Virtual International Authority File (VIAF): 823532
Diese Seite wurde zuletzt geändert am 09.07.2011 14:19:39

Dieser Artikel basiert auf dem Artikel Heinz Rudolf Kunze aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und steht unter der GNU-Lizenz für freie Dokumentation.
In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.