Aktuelles

Fokus

Sebastian Bohren – Nahe am Ideal

Sebastian Bohren aus Winterthur ist trotz seines jungen Alters ein international gefragter Geiger. - Quelle: Marco Borggreve Sebastian Bohren aus Winterthur ist trotz seines jungen Alters ein international gefragter Geiger. (Quelle: Marco Borggreve)

Der Anfang dieser Musikerlaufbahn war ganz unspektakulär, und hätten die Eltern dem Herzenswunsch ihres Sprösslings nach einer E-Gitarre stattgegeben, wäre aus ihm vielleicht ein Rockmusiker geworden. Doch der der bald 31-jährige Sebastian Bohren gehört heute zu den aufstrebenden jungen Schweizer Geigern und überspringt schon mal eine Sprosse auf der Karriereleiter.

von Irène Maier

Die Alternative zur E-Gitarre war die Geige, wogegen sich der junge Sebastian Bohren nicht sonderlich wehrte, für die er aber auch keinen grossen Ehrgeiz zeigte. Die Wende kam mit dem neuen Geigenlehrer Markus Lehmann, zu dem er als Zehnjähriger wechselte. Dessen Art und Lebensstil faszinierten ihn und er wollte ihm unbedingt nacheifern. Dann gab es auch die Fixsterne wie Yehudi Menuhin oder Nathan Milstein am Geigenhimmel, die zu grossen Vorbildern wurden.

Inzwischen hat der ehrgeizige Musiker einige seiner Etappenziele erreicht, stellt aber klar, dass dies erst kleine Markierungen seien, die ihn anspornten, auf diesem Weg weiter zu gehen. Dazu meint er: «Das Suchen nach einem Ton, der vor Liebe fast brennt, hat erst begonnen.»

Neben seiner angestrebten Solokarriere spielt Bohren seit vielen Jahren als zweiter Geiger im Stradivari Quartett. Die Erfahrungen, die er dort sammeln kann, sind für ihn überaus wertvoll. Als erstes half es ihm, bei Bühnenauftritten «Manegenstaub» zu schnuppern, wie sein verehrter Lehrer Ingolf Turban es nannte. Das grosse Repertoire dieses in Zürich beheimateten Quartetts bedingte, sich mit den verschiedenen Stilrichtungen grosser Meister auseinanderzusetzen, einen gemeinsamen Ton zu finden und die Musik als Ganzes zu betrachten, unabhängig von den einzelnen Parts.

Als Solist wagt sich Bohren ohne Hemmungen an die grossen Werke heran. Seine Aufnahmen des Beethovenkonzertes und der Solopartiten und -sonaten von Bach geben ihm Recht. Er braucht Vergleiche nicht zu scheuen, wie die verschiedenen Rezensionen bezeugen. Überdies meint er selbstbewusst, dass er auch mit einer schlechten Kritik umgehen könne. Es tue zwar weh, wenn der Fokus auf Schwachstellen gerichtet sei. Dies gebe ihm aber wiederum den Ansporn, noch besser zu werden.

So zielgerichtet und ehrgeizig der charismatische Geiger seine Karriere verfolgt, so schonungslos offen ist er in seiner Selbsteinschätzung und Selbstkritik. Er weiss, dass sein Wunschziel hoch gesetzt ist, aber es sich lohnt, dafür zu kämpfen. Einen kleinen Teil seiner Visionen hat er mit seinen eigenen Konzerten in Brugg bereits in die Tat umgesetzt. Diese sind so beliebt, dass es nicht selten mit dem Platzangebot eng wird.

Wenn es ihm gelingt, mit seiner musikalischen Botschaft die Menschen zu erreichen, dass sie in Strömen zu seinen Konzerten pilgern, bei denen er sich selber aussuchen kann, wo, mit wem und was er spielen will, dann kommt er seinem Ideal eines Musikerlebens ziemlich nahe. Sebastian Bohrens Lebensmotto als Mensch und Musiker heisst Selbstbestimmung. Er möchte uneingeschränkt das tun können, wofür sein Herz brennt.

Sebastian Bohren im Programm von Radio Swiss Classic
Konzerte von Sebastian Bohren in der Schweiz


Folgen Sie dem Radio Swiss Classic On-air-Service