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Gershwin Piano Quartet – Klassik mit Improvisation

Das Gershwin Piano Quartet mit André Desponds, Mischa Cheung, Stefan Wirth und Benjamin Engeli - Quelle: Andreas Zihler Das Gershwin Piano Quartet mit André Desponds, Mischa Cheung, Stefan Wirth und Benjamin Engeli (Quelle: Andreas Zihler)

Das Klavier ist abgesehen von der Orgel das Instrument, das zwischen seinem tiefsten und seinem höchsten Ton die meisten Oktaven unterbringen kann. Entsprechend gibt es unzählige Kompositionen für das Piano, die von einem einzelnen Musiker oder einer Musikerin interpretiert werden können. Welche Möglichkeiten sich jedoch ergeben, wenn gleich vier Pianisten zusammenspielen, das zeigt das Schweizer Gershwin Piano Quartet. Es wird bei seinen Konzerten auf der ganzen Welt gefeiert.

Von Irène Maier

Ein glücklicher Zufall oder vielleicht das Schicksal führte zur Gründung des Gerswhin Piano Quartet. Weder der Gründer André Desponds noch seine Mitstreiter konnten ahnen, dass sie auch nach über 20 Jahren noch immer eine Exklusivität darstellen würden. Die Lust der vier Pianisten auf neue Projekte mit noch grösseren Herausforderungen hat sich nicht gelegt, sondern stetig verstärkt. Denn wo immer das Gershwin Piano Quartet gastiert, sind volle Konzertsäle garantiert.

Die Erfolgsgeschichte begann im Jahre 1996 mit der Anfrage eines Musikhauses, das ein Klavierfestival organisierte und sich ein Konzert mit mehreren Flügeln wünschte. André Desponds, der angefragte, damals schon bekannte Pianist und Dozent an der Zürcher Hochschule der Künste, gruppierte sich mit drei seiner besten Studenten zu einem Quartett. Mit Improvisationen und arrangierten Songs von George Gershwin begeisterten sie das Publikum und hatten selbst so viel Spass an der Sache, dass sie beschlossen, zusammenzubleiben und weitere Projekte dieser Art zu realisieren.

Die Musik Gershwins war ein Fixpunkt, weshalb es logischer schien, ihn zum Namensgeber des neu gegründeten Quartetts zu machen. Ausserdem vereinigt Gershwin Klassik, Jazz und Improvisation in sich und widerspiegelt somit die Intentionen und die Vielseitigkeit der vier Tastenkünstler.

Exklusive Arrangements

Am Anfang war es André Desponds, der das Heft in der Hand hatte. Er wählte die geeignete Literatur, organisierte, schrieb die Arrangements und war natürlich auch als Pianist der Erfahrenste. Der Erfolg war dem in jeder Hinsicht aussergewöhnlichen Quartett von Beginn weg sicher.

Von der ersten Garde sind heute noch der Gründer André Desponds und Stefan Wirth dabei. Dazu gesellten sich die zwei multitalentierten Jungstars Benjamin Engeli und Mischa Cheung. Die Bedingungen für die Aufnahme sind hoch: Pianistische Virtuosität, Improvisationstalent und die Fähigkeit zum Arrangieren sind die Grundvoraussetzungen. Damit eine ideale Kommunikation und ein freies Spiel gewährleistet sind, wird nur auswendig gespielt, was in der Kammermusik doch eher selten ist.

Wenn vier Individualisten zusammen musizieren, sind Meinungsverschiedenheiten nicht auszuschliessen. Auf die Frage, wie man sich eine solche Diskussion vorstellen muss, meint André Desponds: «Über Interpretationsfragen entscheidet derjenige, der das Arrangement gemacht hat. Ansonsten sind wir demokratisch aufgestellt und es wird diskutiert, bis eine Lösung gefunden ist.»

Der Terminkalender als Herausforderung

Das Repertoire ist seit der Gründung vor 22 Jahren stetig gewachsen und der Ideenkatalog für neue Projekte längst nicht ausgeschöpft. André Desponds kommt da gleich ins Schwärmen. Gedanken und Geistesblitze sprudeln nur so aus ihm heraus und einige davon tragen bereits ein skizzenhaftes Gerüst. Das einzige Problem sei oft die Zeit.

Da die vier Künstler auch anderweitig gefragte Musiker sind und ihre eigene solistische oder kammermusikalische Karriere verfolgen, kann der Zeitplan für das Arrangieren und Einstudieren neuer Werke schon mal durcheinanderkommen. Aber dank dem Enthusiasmus für ein Musizieren, das eine Exklusivität in der Musiklandschaft verkörpert und überwältigende Ovationen auslöst, wurde bis heute jedes organisatorische Problem gelöst.

André Desponds selbst gehört zu den vielseitigsten Pianisten der Gegenwart. In jeder Musiksparte zuhause kann er solo oder in jeder beliebigen Formation locker auf verschiedenen Hochzeiten tanzen. Und trotzdem hat er eine heimliche Liebe, die er mit auf die einsame Insel nehmen würde: Mit Chopins Klaviermusik würde er sich dort gleich heimisch fühlen.

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