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Howard Griffiths – der englische Schweizer Dirigent

Seit 1981 lebt und arbeitet der Engländer Howard Griffiths in der Schweiz. - Quelle: Thomas Rabsch Seit 1981 lebt und arbeitet der Engländer Howard Griffiths in der Schweiz. (Quelle: Thomas Rabsch)

Schon mehr als sein halbes Leben lang wirkt Howard Griffiths intensiv in der Schweiz. Den bald 68-jährigen englischen Dirigenten zählt man zu den tragenden Persönlichkeiten der Schweizer Klassikszene. Besonders wichtig ist ihm der Nachwuchs. Er fördert junge Musikerinnen und Musiker und bringt mit Konzerten und Büchern für Kinder bereits den Jüngsten die klassische Musik näher. Seit Kurzem besitzt er die Schweizer Staatsbürgerschaft.

Von Irène Maier

Seine bedingungslose Leidenschaft für die Musik wirkt ansteckend. Sei es im Gespräch, am Dirigentenpult, auf Tonträgern oder in seinen Kinderbüchern – immer ist diese Liebe und absolute Hingabe spürbar. Howard Griffiths gehört international zu den gefragten Dirigenten und hat in den bald 40 Jahren, seit denen er in der Schweiz lebt, die Musikszene des Landes belebt und nachhaltige Spuren hinterlassen. Die zehn Jahre mit ihm als Chefdirigenten des Zürcher Kammerorchesters, mit dem er neben dem gängigen Repertoire immer wieder neue Wege beschritt, sind dem Zürcher Publikum in bester Erinnerung. Seit einigen Jahren ist er als Artistic Partner der Camerata Schweiz sowohl im Konzertsaal, als auch auf Aufnahmen präsent.

Pionierarbeit leistete Griffiths bereits früher mit der Gründung verschiedener Orchester, etwa dem Jugendorchester des Konservatoriums Zürich. Eines der vielen Projekte, die er mit diesen jungen Musikerinnen und Musikern realisierte und auf das er heute noch angesprochen wird, waren die beliebten Teddybär-Konzerte. Die musikalische Förderung von Kindern und Jugendlichen liegt Griffiths besonders am Herzen. Seine musikalischen Märchenbücher sind überaus beliebt und werden bereits in Schulen zur Weiterbildung eingesetzt. Mit dem Brandenburgischen Staatsorchester, dessen Chefdirigent er seit zehn Jahren ist, geht er neue Wege bei integrierenden Schülerprojekten. Als künstlerischer Leiter der Orpheum Stiftung begleitet er hochbegabte junge Solistinnen und Solisten auf deren Karriereleiter nach oben.

Unverhofft Dirigent

Gewisse Talente werden einem Kind in die Wiege gelegt. Bei Howard Griffiths war es die Musik. Seine Grossmutter war Geigerin, sein Vater war Geiger, also bekam der kleine Howard von seinem Vater Geigenunterricht. Als Fünfzehnjähriger entschloss er sich, ein Studium am Royal College of Music in London aufzunehmen.

Mit einer türkischen Bratschistin und Mitstudentin, in die er sich als Jungmusiker verliebt hatte, reiste er nach Abschluss des Studiums gemeinsam mit der Bratsche im Gepäck nach Ankara. Ziel waren eine Anstellung als Bratschist in einem Orchester und später ein eigenes Streichquartett. Aber es kam anders. Eine Truppe von Amerikanern und Engländern wollte eine Operette von Gilbert und Sullivan aufführen und fand keinen Dirigenten. «Nach langem Zögern sprang ich in die Bresche und der Dirigiervirus hatte mich unheilbar gepackt. Da massgebende Leute an mein Talent als Kapellmeister glaubten, wurde ich zum Studium nach England geschickt. Dies war das Schlüsselerlebnis für meinen Weg als Musiker», so sein Fazit.

Nach ein paar Wanderjahren war ihm das Schicksal erneut hold und die Schweiz wurde dem damaligen Noch-Engländer zum Angelpunkt seines Lebens als Musiker und zur Heimat für ihn und seine Familie. In all den Jahren ist die Gegend am Zürichsee sein Zuhause geworden und er ist stolz auf sein Schweizerbürgerrecht, das er vor einem Jahr erworben hat.

Howard Griffiths ist ein begnadeter Orchesterleiter mit einem Musikverständnis, das Intellekt und Herz verbindet. Er versteht es, die Musikerinnen und Musiker auch immer wieder für Neuentdeckungen zu begeistern. Als Jungstudent hätte er sich ein Archäologiestudium ebenfalls vorstellen können. Nun hat er dieses Hobby in seinen Musikerberuf integriert und ist fleissig am Ausgraben von verschollenen Werken einst berühmter und heute zu Unrecht vernachlässigter Komponisten. So sind ihm unzählige Aufnahmen von grossartiger Musik zu verdanken, die so langsam auch ihren Weg in den Konzertsaal findet.

Wer mit dem überdies sehr belesenen Künstler in Kontakt kommt, ist fasziniert von seinem Charisma und erstaunt über seine fast unerschöpfliche Energie. Seine Agenda ist prallvoll und es warten in seinem Köcher weitere Ideen und Projekte, die verwirklicht werden wollen. Sein Geheimnis: «Ich habe eine grossartige Familie, meine Frau unterstützt meine Arbeit und holt mich zuweilen auch in die Realität zurück. Dann gibt es ein Sprichwort: Wenn du dein Hobby zum Beruf machst, musst du nie mehr arbeiten. Das trifft auf mich zu, ich betrachte die Musik nicht als Arbeit, sondern als Freude.»

Howard Griffiths im Programm von Radio Swiss Classic
Konzerte mit Howard Griffiths in der Schweiz


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