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Karl-Andreas Kolly - der Pianist, der Raritäten aufspürt

Der Schweizer Pianist Karl-Andreas Kolly schwärmt für die Musik von Maurice Ravel. - Quelle: J. Fernandez Der Schweizer Pianist Karl-Andreas Kolly schwärmt für die Musik von Maurice Ravel. (Quelle: J. Fernandez)

Karl-Andreas Kolly darf man als einen der vielseitigsten Schweizer Pianisten bezeichnen. Als Interpret verfügt er über ein enorm breites Repertoire, und man schätzt ihn als Pädagogen. Darüber hinaus hat der 52-Jährige die Gabe, vergessene Stücke aufzuspüren und diese durch seine Konzerte und Aufnahmen seinem Publikum zugänglich zu machen.

Von Irène Maier

Karl-Andreas Kolly wuchs in einer Musikerfamilie auf. Als kleiner Bub faszinierte ihn die Geige, nicht als Instrument zum Spielen, wie die Eltern meinten, sondern ihr Aussehen, die verschnörkelte Form und das edle Holz. Auch das Klavier war vorerst einfach ein imposantes Möbelstück, das im Wohnzimmer stand und tönte, wenn man die Tasten drückte. Aber als Musikerkind wollte man doch mithalten, und für die ersten Spielversuche waren die Eltern zuständig. Da der kleine Sohn sich nicht ungeschickt anstellte, wurde auch bald ein Lehrer gesucht. Karl Grenacher war nicht nur ein ausgezeichneter Pädagoge, er war ein kompletter Musiker mit einem breit gefächerten Kunstverständnis, das er seinem begabten Schüler vermittelte. Rückblickend meint Karl-Andreas Kolly, dass er in neun Jahren Unterricht ein kulturelles Gesamtpaket mitbekommen habe.

Noch war aber nicht klar, in welche Richtung der Berufsweg von Kolly wies. Als Gymnasiast setzte er sich in die Abteilung für alte Sprachen und begann neben dem Klavierunterricht mit dem Orgel- und Cellospiel. Der vielseitig begabte Schüler tastete zunächst einmal verschiedene Interessensgebiete ab. Erst nach der Matura entschied er sich für ein ernsthaftes Musikstudium mit Hauptfach Klavier.

Es war kein aussergewöhnliches Erlebnis, das ihn auf der Karriereleiter nach oben katapultierte. Sein Charisma, seine Begabung, sein breit gefächertes Musikverständnis, seine ausgezeichneten Lehrer, die immer zur rechten Zeit am rechten Ort waren, und immer wieder Glück waren die Faktoren, die den jungen Klavierspieler zu dem angesehenen, grossartigen Musiker machten, der er heute ist.

Musikprofessor mit Leidenschaft

Die beachtliche Vielseitigkeit, die Kolly bereits in jungen Studentenjahren auszeichnete, hat sich heute auch in beruflicher Hinsicht weitergezogen, ja sogar verstärkt. Er war noch im Studium, als ihm bereits eine Stelle an der Hochschule in Winterthur angeboten wurde. Dort entdeckte er seine Vorliebe und seine Fähigkeit zum Unterrichten und Dozieren. Obwohl diese Aufgabe damals viel zu früh auf ihn zukam, hat sich an seiner Einstellung dazu nichts geändert. Kolly zählt diesen Musikbereich zu seiner liebsten Beschäftigung. Heute unterrichtet er Meisterschüler an der Hochschule der Künste in Zürich. «Es macht mir unglaublich Spass, hochbegabte Studenten auf ihrem Weg zum Musiker zu begleiten, mich mit ihnen auf hohem musikalischem Niveau auszutauschen und mit ihnen individuelle Interpretationen zu erarbeiten. Dabei lerne ich selber immer wieder Neues dazu».

Spürsinn für Raritäten - Schwärmerei für Ravel

Als Interpret hat sich Karl-Andreas Kolly ein immenses Répertoire erarbeitet. Er lässt sich dabei weder in eine Stilepoche pressen, noch kann man ihn als Spezialisten für ausschliessliche Interpretationsansätze festnageln. Eine Spezialität ist aber sein Steckenpferd, bei dem er seinen archäologischen Spürsinn einsetzen kann: Er buddelt gerne verschollene Werke aus, wobei ihn oft glückliche Zufälle auf hinweisende Fährten führen. Dadurch ergeben sich Querverbindungen, die wiederum andere verschlungene Pfade aufdecken. So verdankt ihm die Musikwelt nicht nur Aufführungen wiederentdeckter Werke, sondern auch viele CD-Aufnahmen mit Erst- und Neueinspielungen von Raritäten bekannter und weniger bekannter Komponisten.

Auf die Frage, ob er unter den unzähligen Komponisten, für die er sich einsetzt, auch einen Liebling habe, kam die überraschende Antwort: «Die Lieblinge ändern sich zwar immer wieder, aber zu alleroberst steht für mich Maurice Ravel. Bei ihm ist alles perfekt, jede Note am richtigen Fleck. Er ist einer der wenigen Komponisten, von dem praktisch jedes Stück, das er komponierte, heute noch gespielt wird».

Karl-Andreas Kolly im Programm von Radio Swiss Classic
Konzerte von Karl-Andreas Kolly in der Schweiz


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