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Mélodie Zhao – Jugendliche Leidenschaft für Beethoven

Der Pianistin Mélodie Zhao aus Gruyères im Kanton Fribourg wird eine grosse Karriere vorausgesagt. - Quelle: Miguel Tosto Der Pianistin Mélodie Zhao aus Gruyères im Kanton Fribourg wird eine grosse Karriere vorausgesagt. (Quelle: Miguel Tosto)

Der Weg von Mélodie Zhao, der jungen Westschweizer Pianistin mit chinesischen Wurzeln, weist steil nach oben. Mit ihrer stupenden Technik und ihrer musikalischen Reife, gepaart mit einer einnehmenden Bühnenpräsenz, weiss sie Publikum und Kritiker zu begeistern. Und obwohl sie erst 23 Jahre alt ist, hat sie sich bereits an die Einspielung aller Beethoven-Sonaten gewagt.

Von Irène Maier

Während andere Mädchen beginnen, die Welt der Puppen zu entdecken, entdeckte die zweieinhalbjährige Mélodie Zhao die weissen und schwarzen Tasten des Klaviers. In Gruyère geboren, wurde sie als Kleinkind in die Obhut ihrer Grosseltern in Peking gegeben. Dort war sie von Musik umgeben, da sowohl die Grossmutter als auch der Grossvater Musiker waren. Die Neugier der kleinen Enkelin für das Klavierspiel wurde mit bald beginnendem Unterricht gedeckt und sie zeigte sich als hochtalentierte Schülerin. Zurück in der Schweiz begann sie als Neunjährige ihr Studium am Genfer Konservatorium bei Pascal Devoyon. In einem atemberaubenden Tempo durchlief sie ihre Studien, und die frühreife Pianistin hatte nie Zweifel, dass sie die Musik zu ihrem Beruf machen wollte.

Welchen Stellenwert das Konzertpodium in ihrem Leben haben wird, spürte sie bei ihrem ersten Rezital in der Victoria Hall in Genf, als sie als 15-Jährige alle Etüden von Chopin spielte. Da wurde ihr zum ersten Mal gewahr, was Bühnenpräsenz heisst, die Fähigkeit, ein grosses Publikum zu berühren und zu begeistern. Seither ist ihr bewusst, dass es nicht reicht, nur die Musik herüberzubringen, sondern dass man sich selbst hineingeben muss. «Ich möchte etwas von mir geben, das die Leute bewegt, sie zum Denken anregt. Somit erhalte ich die Energie, die ich ausströme, zurück und es wird zu einem Geben und Nehmen». Diesem Credo ist die inzwischen 23-jährige Künstlerin auf ihrem Weg nach oben gefolgt, und sie hat sich bereits international einen Namen geschaffen, den die Konzertveranstalter oben auf ihrer Liste führen. Das Publikum ist fasziniert und die Kritiker des Lobes voll.

Bereits reif für die Beethoven-Sonaten

Mélodie Zhao - Quelle: Philippe Pache Mélodie Zhao (Quelle: Philippe Pache)

Positive Aufmerksamkeit erregen auch ihre Einspielungen. Ist die Werkauswahl der ersten Aufnahmen mit virtuosen Stücken von Chopin und Liszt für eine junge Pianistin erklärbar, ist eine Einspielung aller Beethoven-Sonaten doch eher ungewöhnlich. Beethoven, und besonders seine späten Sonaten, bedeuten doch für jeden Pianisten den Olymp und sind daher eine besondere Herausforderung. Auf die Frage, warum sie ausgerechnet mit Beethoven, der doch eine grosse musikalische Reife verlange, nicht warten wollte, erklärt sie fast etwas erstaunt: «Diese Idee war schon immer da. Schon als kleines Mädchen hatte ich zum Ziel, alle Sonaten zu spielen und einmal aufzunehmen. Ich habe mich sehr intensiv mit den Stücken befasst, bin aber überzeugt, dass ich sie in einigen Jahren wieder anders spielen werde.»

Neben ihrer Konzerttätigkeit befasst sich die tiefsinnige Musikerin mit Komposition. Nicht dass sie als Komponistin gefeiert werden möchte, aber zum Verstehen und Interpretieren der Gedankengänge grosser Meister sei dies vor allem für Pianisten interessant, ja unabdingbar. Zudem macht der dynamischen Künstlerin das Ausprobieren verschiedener Dinge viel Spass und da geht sie auch gerne mal über die Grenzen hinweg. So entstehen Stücke aus ihrer Feder für das Klavier, in denen sie sich, mit einer speziellen Technik befasst. Ein grösseres Projekt steht mit der Klavier-Transkription der 24 Capricen für Violine solo von Paganini an.

Pistolenschiessen als Konzentrationsübung

Mélodie Zhao ist nicht nur eine aussergewöhnliche Musikerin, sie hat auch eine erstaunliche Freizeitbeschäftigung. Die passionierte Leserin klassischer Literatur mag als einzigen Sport das Pistolenschiessen. Es beruhige und steigere die Konzentrationsfähigkeit. Daher kommt vielleicht auch ihre Fähigkeit, Menschen in Windelseile für sich einzunehmen.

Im Rahmen der Orpheum-Konzerte wird sie sich am 20. April 2017 in Zürich mit dem ersten Klavierkonzert von Tschaikowsky dem Tonhalle-Publikum präsentieren.


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