Aktuelles

Fokus

«Kammermusik an der Kramgasse»: Hauskonzerte wie anno dazumal!

Die Bratschistin Nada Anderwert hatte die Idee für ein kleines Kammermusikfestival in stilvollen Stuben der Berner Kramgasse. - Quelle: kammermusik-kramgasse.ch Die Bratschistin Nada Anderwert hatte die Idee für ein kleines Kammermusikfestival in stilvollen Stuben der Berner Kramgasse. (Quelle: kammermusik-kramgasse.ch)

Kammermusik wird heutzutage fast ausschliesslich in grossen Konzertsälen gespielt. Gleichzeitig suchen Veranstalter immer häufiger ausgefallene Lokalitäten, um klassische Musik ihrem Publikum zu präsentieren. Das kleine Berner Festival «Kammermusik an der Kramgasse» geht den umgekehrten Weg, quasi zurück zu den Wurzeln. Es spielt die Kammermusik wie einst in den Stuben ehrwürdiger Altstadthäuser - und dies mitten in Bern.

Von Irène Maier

Der unspektakuläre Name «Kammermusik an der Kramgasse» täuscht. Dahinter verbirgt sich ein kleines Festival für Kammermusik vom Feinsten. In den Räumen der ehrwürdigen Zunfthäuser werden seit fünf Jahren in den Wintermonaten klassische Konzerte in stilvollem Rahmen, aber unkomplizierter Atmosphäre dargeboten.

Auf die Frage, wie diese Idee entstanden ist, erzählt die Initiantin und Bratschistin Nada Anderwert, die früher selbst an dieser schmucken Gasse gewohnt hat: «Wenn ich jeweils meinen Notenständer ans Fenster stellte, streifte mein Blick über die wunderschönen Fassaden dieser historischen Gebäude. Wenn dann abends noch die Lichter angingen, bot sich mir eine atemberaubende Kulisse und ich fragte mich, was wohl für prunkvolle Räume dahinterlägen, was für Menschen sie bewohnt hatten, welche Geschichten dahinter verborgen sein mögen. Meine Neugierde war geweckt und ich ging auf Entdeckungsreise.»

Auserlesene Musik in stilvoller Umgebung

Die Berner Kramgasse bietet eine Fülle stilvoller Häuser geeigneten Räumen für Konzerte. - Quelle: kammermusik-kramgasse.ch Die Berner Kramgasse bietet eine Fülle stilvoller Häuser geeigneten Räumen für Konzerte. (Quelle: kammermusik-kramgasse.ch)

Die gesichteten Räume boten der leidenschaftlichen Kammermusikerin ein Eldorado für Kammermusik. Hauskonzerte standen schon immer auf der Wunschliste von Nada Anderwert. Hier sah sie die Möglichkeit, Hauskonzerte stilvoll, aber in gelöster, intimer Atmosphäre anzubieten, wie es zu ihrer Entstehungszeit üblich war. Dass heutzutage Kammermusik oft in grossen Sälen gespielt wird, ändert nichts an der Tatsache, dass sie nicht dafür geschrieben wurde. Diese Angewohnheit ist eher dem Starkult zuzuschreiben. Damit wird aber eine Trennungslinie zwischen Künstlern und Publikum gezogen, was auf Kosten des unmittelbaren musikalischen Erlebnisses geht. Solche Grenzen gibt es bei den Konzerten an der Kramgasse nicht. Da sitzen die Musiker in nostalgischer Weise inmitten des Raumes, umringt von den Zuhörerinnen und Zuhörern. Wer will, kann sogar einen Blick in die Noten werfen. Da tauchen bei Freunden der Kammermusik unweigerlich Bilder auf, wie sie in Komponistenbiografien zu finden sind.

Aufwändige Vorarbeiten

Bis es aber soweit war, brauchte es Tatendrang, Organisationstalent, Kontakte zu den Hausbesitzern der infrage kommenden Gebäude und sonstige Rahmenbedingungen. Schlussendlich mussten mögliche Konzertdaten gesucht, Konzertprogramme festgelegt und die gewünschten Musikerinnen und Musiker engagiert werden. Tatkräftig zur Seite steht der Organisatorin auch ihr Ehemann, der Oboist Beat Anderwert.

Dass der Publikumsandrang bei den ersten Konzerten noch nicht allzu gross war, hatte eventuell auch mit der Programmierung zu tun. Martinu, Britten und Françaix sind Komponisten, die eher ein Kennerpublikum ansprechen. Aber man hat schnell gelernt und heute darf sich das kleine Festival rühmen, ein treues Stammpublikum zu haben. «Inzwischen können wir unbekannte Werke und Stücke von weniger bekannten Komponisten auf die Programme setzen und die Leute kommen trotzdem», meint Nada Anderwert nicht ohne Stolz.

Bei der Programmierung der Konzerte gibt es da eine riesige Liste von Werken, die
der Bratschistin Anderwert am Herzen liegen. Danach sucht sie dann ihre Wunschinterpretinnen und –interpreten aus. Die Namen der Ausführenden dürfen sich sehen lassen und bieten Garantie für musikalische Erlebnisse auf höchstem Niveau. Das Zusammensitzen nach den Konzerten ist ein schöner Brauch, der von Künstlern und Publikum gleichermassen geschätzt wird. Das Fazit dieser Kammermusikreihe ist: eine Stunde wunderbare Musik in prachtvollen Räumen, intimem Rahmen und gelöster Stimmung. Und dies alles zu einem fast geschenkten Preis.

Details zu «Kammermusik an der Kramgasse»


Möchten Sie regelmässig über Neuigkeiten rund um Radio Swiss Classic informiert werden? Dann abonnieren Sie unseren Newsletter!

abonnieren

Folgen Sie dem Radio Swiss Classic On-air-Service