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Klassik unter dem Weihnachtsbaum

Wir empfehlen eine Auswahl an Tonträgern und Büchern, die als Geschenk unter dem Weihnachtsbaum Freude bereiten können. - Quelle: RSC Wir empfehlen eine Auswahl an Tonträgern und Büchern, die als Geschenk unter dem Weihnachtsbaum Freude bereiten können. (Quelle: RSC)

Was gibt es schöneres, als Musik zu verschenken? Noch immer sind attraktive CDs und Bücher Geschenke mit einer Wertigkeit - etwas das man anfassen kann. Irène Maier hat für Sie in einige neue Tonträger hineingehört und hält auch einen Buchtipp bereit.

Brahms-Sinfonien in neuem Kleid

CD-Cover "Brahms Symphonies 1 & 2" - Quelle: Klanglogo CD-Cover "Brahms Symphonies 1 & 2" (Quelle: Klanglogo)

Wenn Howard Griffiths am Pult steht, darf man auf ein Hörerlebnis der besonderen Art gespannt sein. Seine Interpretationen sind selten nach gewohnter Manier. Unter seinen unzähligen Aufnahmen befinden sich einige Raritäten von Komponisten, die im gängigen Repertoire nicht anzutreffen sind. Wenn er sich dann einem bekannten Komponisten wie Johannes Brahms widmet, sucht er nach neuen Interpretationsansätzen, forscht nach historischen Hintergründen, macht sich fündig in Skizzen und Niederschriften. Diesmal stiess er auf die Aufzeichnungen aus den Partituren des damals massgebenden Brahms-Dirigenten Fritz Steinbach. Diese Interpretationshinweise übertrug Griffiths ausnahmslos in seine eigene Partitur und herausgekommen ist eine aufregend pulsierende Wiedergabe der Sinfonien.
Das effektvolle Spiel mit Klangfarben, der raffinierte Einsatz des Vibratos bei den Streichern, die natürliche Lebendigkeit, die transparente Melodienzeichnung kleiden die Musik in ein Gewand, das man sich anders gar nicht mehr vorstellen kann. Solche Höhenflüge sind allerdings nur mit einem Klangkörper möglich, der auf höchstem Niveau musiziert und auf Vertrauensbasis mit dem Dirigenten steht. Beides trifft auf das exzellente, hoch motivierte Brandenburgische Staatsorchester Frankfurt zu.

Brahms Symphonies 1 & 2, Brandenburgisches Staatorchester, Howard Griffiths
Klanglogo KL1513

David Pia - Romantische Cellokonzerte

CD-Cover "Violoncellokonzerte D'Albert/Bruch/Dohnányi" - Quelle: Farao Classics CD-Cover "Violoncellokonzerte D'Albert/Bruch/Dohnányi" (Quelle: Farao Classics)

Schon die Auswahl der Werke, die der Basler Cellist David Pia für sein Debut-Album mit Cellokonzerten gewählt hat, zeugt von feinem Gespür und Weitsicht. Er hat nicht auf die Schlachtrösser der Celloliteratur gesetzt, sondern er zeigt ein feines Händchen für besondere musikalische Leckerbissen, die nicht massenweise auf dem CD-Markt erscheinen, ja sogar in den Konzertprogrammen nicht so präsent sind.

Mit Eugen d’Albert, Max Bruch, Ernst von Dohnányi lädt er die Hörerinnen und Hörer in die Spätromantik ein, deren Werke einerseits Virtuosität und Leidenschaft voraussetzen, andererseits aber einen Sinn für Poesie verlangen. Reines Draufgängertum ist hier nicht gefragt, aber ein Aushorchen von Kontrasten und filigranen Strukturen. David Pia setzt nicht auf eine schwülstige Romantik oder übertriebene Pathetik. Er überzeugt mit wohldosierter Leidenschaftlichkeit und einem verführerisch-sinnlichen Ton. Sein federndes, klar strukturiertes und mit überraschenden Akzenten durchsetztes Spiel macht ihn zum idealen Fürsprecher für die Musik dieser Spätromantiker. Ulf Schirmer und das Münchner Rundfunkorchester sind ihm da aufmerksame Partner, die sensibel und lustvoll mitgestalten.

David Pia – Münchner Rundfunkorchester – Ulf Schirmer
Violoncellokonzerte D’Albert/Bruch/Dohnányi
Farao Classics B 108089

Paul Juon – Silhouettes

Paul Juon war ein Wanderer und Grenzgänger sowohl im Leben wie in der Musik. Von schweizerischer Abstammung und in Moskau geboren, wirkte er später in Berlin und fand im Alter in der Schweiz am Genfersee seine Heimat. In der Musik wandelt er zwischen Romantik und Moderne und ist stets auf der Suche nach neuen Klangfarben. Dabei experimentiert er gerne mit raren Instrumentenformationen.
In den Silhouettes und den sieben Tondichtungen, die in dieser CD vorgestellt werden, stellt er zwei ebenbürtige Violinen dem Klavier gegenüber und kostet deren Ausdrucksmöglichkeiten genussvoll aus. Es sind kurze und kurzweilige Charakterstücke, in die Juon eine kontrastreiche Gefühlswelt eingepackt hat. Von der beschaulichen Idylle über temperamentvolle Ausbrüche und melancholische Momente bis zu burlesken Einlagen zeigt er, dass er auch in seinem Ideenreichtum keine Grenzen verspürt.

Einem Glücksfall ist es zu verdanken, dass die beiden Geigerinnen Rebekka Hartmann und Malwina Sosnowski sowie der Pianist Benyamin Nuss sich kennengelernt und zu diesem Trio formiert haben. Hier wird auf Augenhöhe und Spiellust musiziert und es gelingt dem Trio ausgezeichnet, die unterschiedlichen Gefühlswelten herauszukristallisieren. So werden Kleinode zu Juwelen.

Paul Juon – Silhouettes op. 9 und op. 43, Sieben kleine Tondichtungen op. 81
Malwina Sosnowski, Rebekka Hartmann, Violinen
Benyamin Nuss, Klavier
Musiques Suisses MGB CD 6284

Luise Adolpha Le Beau – Kammermusik

CD-Cover "Chamber Music" - Quelle: MDG CD-Cover "Chamber Music" (Quelle: MDG)

Luise Adolpha Le Beau war eine gefeierte Pianistin, aber vor allem eine grossartige Komponistin, die sich gegen die Widerstände, denen sie sich als komponierende Frau ausgesetzt sah, mit Erfolg zur Wehr setzte. Dass sie trotzdem fast in Vergessenheit geriet, lag nicht an der Qualität ihrer Kompositionen, sondern an den Vorbehalten, die den Komponistinnen gegenüber auch im 20. Jahrhundert nicht gänzlich getilgt waren. Umso erfreulicher ist es, dass sich ein neu formiertes Trio der Kammermusik dieser Komponistin annimmt und das Resultat ihrer Zusammenarbeit gleich auf einer äusserst spannenden CD präsentiert. Der Violinist Bartek Niziol, der Cellist Denis Severin und die Pianistin Tatiana Korsunskaya haben sich mit Verve und Leidenschaft dieser Musik hingegeben. Mit feinem Gespür und Spielwitz zeigen sie auf, welche Energie, welcher Einfalls- und Melodienreichtum in diesen Werken liegen. Ein besonderes Lob für diese Einspielung konnte das Trio bereits mit dem Gewinn des ECHO Klassik für die beste Kammermusikeinspielung des Jahres einheimsen.

Luise Adolpha Le Beau – Chamber Music
Bartek Niziol, Violine – Denis Severin, Violoncello – Tatiana Korsunskaya, Klavier
MDG 903 1872-6

«Excursions» - Mit Liszt und Schubert auf Entdeckungsreise

CD-Cover "Excursions" - Quelle: Sony Classics CD-Cover "Excursions" (Quelle: Sony Classics)

Diese Aufnahme ist allein schon wegen der selten gespielten Version der «Wandererfantasie» von Franz Schubert in der Fassung für Klavier und Orchester von Franz Liszt eine Entdeckungsreise wert.
Temperamentvoll und feinsinnig geht der junge Schweizer Pianist Teo Gheorghiu an dieses Werk heran und bringt das Kunststück zustande, dass es in dieser Grossbesetzung federnder und transparenter daherkommt als in der Originalfassung für Klavier solo. Einen wertvollen Beitrag dazu leistet auch das Musikkollegium Winterthur unter der Leitung seines Chefdirigenten Douglas Boyd. Zu welch gereifter Künstlerpersönlichkeit sich der einstige Wunderknabe entwickelt hat, beweist er auch in seinen Interpretationen der Impromptus von Franz Schubert und im Stück «Vallée d’Obermann» aus den Schweizer-Pilgerjahren von Franz Liszt. Er versteht es, mit überraschenden Akzenten und Klangfarben zu spielen. Die lyrischen Stellen taucht er in aquarellfarbene Töne, die dramatischen Passagen bettet er in satte, sonore Klänge.

Excursions – Schubert/Liszt
Teo Gheorghiu, Klavier - Musikkollegium Winterthur, Douglas Boyd
Sony Classics 88875010832

Ragna Schirmer – Liebe in Variationen

CD-Cover "Liebe in Variationen" - Quelle: Berlin Classics CD-Cover "Liebe in Variationen" (Quelle: Berlin Classics)

Seit Jahren gilt das Interesse von Ragna Schirmer dem wohl bekanntesten Musiker-Ehepaar Clara und Robert Schumann. Da kam der Wunsch auf, zu deren 175. Hochzeitstag eine CD mit Werken vorzulegen, die wie Liebesbriefe der Beiden zu verstehen sind. Als Dritter im Bunde kommt Johannes Brahms hinzu, den eine innige Freundschaft mit dem Ehepaar verband.
Die Liebesgeschichte beginnt mit der «Romance variée», welche die dreizehnjährige Clara auf ein Thema von Robert komponierte und ihm widmete. Dieser griff später auf diese Romanze in seinen Impromptus Op. 5 zurück. Zum 43. Geburtstag schenkte Clara ihrem geliebten Ehemann ihr wohl reifstes Werk, die Variationen op. 20, die sich auf ein Albumblatt von Robert beziehen. Als Liebesbotschaft flocht sie in die letzte Variation das Thema ihres Jugendwerkes ein. In den Variationen Op. 9 nahm Johannes Brahms wiederum das Thema des Albumblattes von Robert Schumann auf. Damit schliesst sich der Kreis in dieser wohldurchdachten und gelungenen Aufnahme.
Ragna Schirmers Hingabe an dieses Projekt zeigt sich in ihrer Liebe zum Detail, wo sie auch kleinste musikalische Kleinode aufzuspüren weiss. Mit ihrer filigranen Anschlagstechnik schafft sie aus diesen kurzen musikalischen Episoden bewegende Klangmomente von starker Ausdruckskraft. Um dieser Hommage an das Ehepaar Schumann und Johannes Brahms grösste Authentizität zu verleihen, spielt die Künstlerin die Werke auf einem Leipziger Blüthner-Flügel aus dem Jahre 1856, dem Todesjahr Robert Schumanns.

Ragna Schirmer – Liebe in Variationen
Berlin Classics 0300683 BC

Die Orchestermäuse – Ein zauberhaftes Musikmärchen

Wieder hat sich der Dirigent Howard Griffiths in die Welt der Märchen begeben. Diesmal hat er sich auf einem Bauernhof umgesehen, wo es echte Katzenmusik und heimlich auch eine Mäuse-Band gibt. Das geht solange gut, bis der Chefkater die Mäuse entdeckt. Auf der eiligst organisierten Flucht begegnen dies einem fürchterlichen Waldgeist, der einen Wegzoll verlangt und sich schlussendlich vom Klagelied der Mäuse erweichen lässt, ja ihnen sogar eine magische Flöte schenkt. Und nun beginnt die eigentliche Geschichte. Man trifft auf ein richtiges Orchester, dem in der Konzerthalle von der aufgescheuchten Mäuse-Band die Noten gestohlen werden. Man begegnet dem Maestro und der Hexe aus früheren Zeiten. Auch die Katzenmusiker sind wieder im Anmarsch. Das heillose Durcheinander löst sich schlussendlich in Minne auf, als der Waldgeist allen einen gemeinsamen Rhythmus verpasst und der Maestro den Taktstock zum vereinten Musizieren hebt. Auf einmal erübrigt sich die Frage, welche Musik denn nun die richtige ist.

Howard Griffiths führt die Kinder mit märchenhafter Leichtigkeit in die Welt der Musik ein. Da zu einem richtigen Märchen auch Bilder gehören, hat Karin Hellert-Knappe das Buch kunstvoll illustriert. Aber auch für die Ohren ist gesorgt. Auf spannende Art wird die Geschichte von Carmen-Maja Antoni auf der beigelegten CD erzählt. Die fantasievolle Musik, die Fabian Künzli eigens dafür komponiert hat, wird vom Brandenburgischen Staatsorchester Frankfurt unter seinem Chefdirigenten Griffiths mit viel musikantischem Spielwitz dargeboten.

Die Orchestermäuse – Ein musikalisches Märchen von Howard Griffiths.
Buch und CD. Edition Hug 1175

Riccardo Chailly – Das Geheimnis liegt in der Stille

Buch "Das Geheimnis liegt in der Stille" - Quelle: Henschel Bärenreiter Buch "Das Geheimnis liegt in der Stille" (Quelle: Henschel Bärenreiter)

Eine Biografie in Form von Gesprächsaufzeichnungen ist eher eine Rarität, aber umso spannender, als den Aussagen der Hauptperson eine natürliche Spontanität zukommt. Riccardo Chailly ist einer der massgebenden Meisterdirigenten der heutigen Zeit. Seine steile Karriere hat nie einen Knick erfahren, und doch ist er ein stets suchender, sich vor den Komponisten verneigender Interpret geblieben.

Seit zehn Jahren ist Chailly Chefdirigent des Gewandhausorchesters Leipzig, ab diesem Jahr Musikdirektor der Mailänder Scala, und tritt nun auch die Nachfolge von Claudio Abbado beim Lucerne Festival Orchestra an. Riccardo Chailly lässt in Gesprächen mit dem Musikkritiker Enrico Girardi seine Musikerlaufbahn seit den Anfängen in seiner Kindheit Revue passieren. Mit entwaffnender Offenheit spricht er über seinen strengen Vater, seine bedingungslose Leidenschaft für die Musik, seine Vorgehensweise beim Studium von Partituren. Neidlos anerkennt er überragende Leistungen von grossen Kollegen, schwärmt von fabelhaften Orchestern, mit denen er arbeiten durfte, und zeigt seine Bewunderung für aussergewöhnliche Solistinnen und Solisten.

Immer wieder erzählt er auch von seinen Ängsten, einem Werk oder dessen Schöpfer nicht gerecht zu werden. Seine Ehrfurcht vor Bach geht soweit, dass er manche Werke kaum aufzuführen wagt. Auf der andern Seite scheut er sich nicht, Beethoven fast provokativ herauszufordern. Eine Herzensangelegenheit sind für ihn natürlich seine Landsleute Rossini und Verdi. Das Buch ist ein spannendes, fliessend leserliches Porträt eines herausragenden, menschlich gebliebenen Künstlers.

Riccardo Chailly – Das Geheimnis liegt in der Stille
Gespräche über Musik
Henschel Bärenreiter Verlag ISBN 978-3-89487-944-0


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