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Esther Hoppe – Begehrt und bewundert im In- und Ausland

Die Geigerin Esther Hoppe ist unter die Veranstalter gegangen. - Quelle: Remo Ubezio Die Geigerin Esther Hoppe ist unter die Veranstalter gegangen. (Quelle: Remo Ubezio)

Esther Hoppe ist eine der wenigen Schweizer Geigerinnen, die sowohl national wie international Fuss gefasst haben. Die attraktive Künstlerin, die sich als kleines Kind in die Geige verliebt hat und dieser Liebe gefolgt ist, wird als gern gesehener Gast an alle renommierten Festivals eingeladen. Nun war es wieder Liebe auf den ersten Blick, die sie veranlasste, ein eigenes Kammermusikfestival zu gründen. Diesmal war es ein malerisches Schloss, das sie faszinierte und das nun an den Pfingsttagen seine Türen für die Musik dem Publikum öffnet. Zusammen mit dem Bratschisten und Mitinitianten Jürg Dähler durfte sie gleich bei der ersten Durchführung einen überwältigenden Erfolg feiern.

Esther Hoppe, Sie reisen selbst von Festival zu Festival und haben nun, zusammen mit Jürg Dähler, ein eigenes auf Schloss Brunegg gegründet. Braucht es noch ein weiteres Festival in der schon dicht besiedelten Schweizer Festivallandschaft?

Ob es ein weiteres braucht, weiss ich nicht, aber sicher schadet es nicht. Das wunderschöne, idyllisch gelegene Schloss Brunegg bietet sich für Kammermusik geradezu an und die Pfingsttage schienen uns die geeignete Zeit für ein solches Festival zu sein. Der überwältigende Erfolg, den wir verbuchen durften, gab uns Recht. Vier von den sechs Konzerten waren ausverkauft und das Publikum war begeistert.

Was unterscheidet Ihr Festival von anderen?

Wir wollten uns nicht abgrenzen oder Vergleiche anstellen. Unsere Idee war, das Konzertprogramm der Geschichte des Schlosses, das aus dem 13. Jahrhundert stammt, anzupassen. Bei der Renovation des Schlosses wurde Altes und Neues geschickt zusammengebracht und diese gelungene Kombination war auch in unserer Musikauswahl präsent.
Dann sollte es durch die direkte Begegnung und Gespräche mit Künstlern, durch kulinarische Gaumenfreuden, durch visuelle Eindrücke dieses malerischen Ortes ein Fest für alle Sinne werden. Indem wir die Menschen vor Ort, die lokalen Hotels und Cateringanbieter in unser Konzept miteinbeziehen konnten, wurde es für die Bewohner in der Umgebung zu einer Attraktion und für die auswärtigen Besucher eine Entdeckung.

Am ersten Konzertabend präsentierten Sie die Mozart-Geige. Was hat es mit dieser Geige auf sich und wie sind Sie zu ihr gekommen?

Mozart kaufte diese Geige für seine eigenen Konzerte während seiner Zeit in Wien. Man wusste, dass es diese Geige gibt und dass sie aus dem Hause Dalla Costa ist, aber man wusste nicht, wo sie sich befand. Vor zwei Jahren hat sich der Besitzer dieser Geige, der sie als Amateurmusiker regelmässig zu privaten Zwecken spielte, gemeldet und wünschte, dass das Instrument zu Mozarts Geburtsort zurückkehren möge. Eine Gönnerin hat es daraufhin zu einem fairen Preis erworben und der Stiftung Mozarteum Salzburg übergeben.
Mir wurde die Ehre zuteil, das Instrument in einem Konzert der Öffentlichkeit vorzustellen. Seither durfte ich zwei weitere Konzerte darauf spielen, aber dass sie mir so kurzfristig für mein Festival zur Verfügung gestellt werden konnte, war nicht selbstverständlich.

Was war das für ein Gefühl, auf der Geige zu spielen, die Mozart in den Händen hatte?

Es war schon ein sehr spezielles Gefühl, auf dem Instrument zu spielen, mit dem Mozart selber seine Werke aufführte. Vom Spielen her war ich nicht einmal erstaunt, dass ich keine Schwierigkeiten hatte, ja sie mir sogar vertraut vorkam. Der Geigenbauer Dalla Costa hatte seinerzeit für Amati gebaut und der Zufall will es, dass Gioffredo Cappa, von dem meine eigene Geige stammt, ebenfalls für Amati gearbeitet hat. Allerdings ist der Klang der Mozart-Geige sehr viel heller. Man hat wirklich das Gefühl, dass sie zu Mozarts Musik passt und ihn vielleicht auch inspiriert hat. Aber es kann sein, dass hier der psychologische Aspekt ein bisschen mitspielt.

Sie selber spielen Geige seit Ihrem vierten Lebensjahr. Andere Mädchen wünschen sich Puppen, Sie wünschten sich eine Geige?

Esther Hoppe - Quelle: Remo Ubezio Esther Hoppe (Quelle: Remo Ubezio)

Meine Mutter sagte mir kürzlich, dass ich schon als Dreijährige Geige spielen wollte. Sie selbst ist Pianistin, hatte Klavier unterrichtet und nahm mich an die Vortragsübung einer Kollegin mit. Offensichtlich war ich vom Geigenspiel derart fasziniert, dass ich unbedingt eine Geige wollte. Meine Mutter dachte zuerst, dass das einfach so eine Phase sei, aber ich drängte so lange, bis ich zum Geigenunterricht gehen durfte.

Wann wussten Sie, dass Sie Musik zu Ihrem Beruf machen wollten?

Den genauen Zeitpunkt weiss ich nicht mehr. Zuerst war es ein Hobby, dann kam ich ins Jugendorchester, wo ich gleichgesinnte Freunde fand. Mit einigen von ihnen gründete ich ein Streichquartett, spielte immer mehr Konzerte und gewann auch ein paar Wettbewerbe. So wurde die Musik immer wichtiger und irgendwann war es selbstverständlich, dass ich die Musik zum Beruf machen wollte.

Gibt es ein musikalisches Kindheitserlebnis, das Ihnen besonders in Erinnerung bleibt?

Ich hatte das Glück, dass ich immer wieder in Konzerte mitgenommen wurde. Es gab da aber ein Konzert – ich war ungefähr zehn Jahre alt - das mich mehr als alle andern geprägt hat. Sandor Vegh gab mit der Camerata Salzburg ein Konzert in Zürich - Schubert war auf dem Programm - und zum ersten Mal spürte ich so richtig, wie unmittelbar und eindringlich Musik berühren kann.
Sehr beeindruckt war ich auch von den Geigern Itzhak Perlman und Isaac Stern, die ich als Teenager live erleben durfte.

Gibt es auch heute noch Vorbilder?

Es gibt die legendären Geigenkünstler, bei denen mich gewisse Eigenschaften faszinieren und die mich inspirieren. Da ist zum Beispiel David Oistrachs Klang, Nathan Milsteins Klarheit und Yehudi Menuhins Leichtigkeit. Dennoch möchte ich niemanden kopieren und höre bewusst auch keine Aufnahmen, wenn ich ein Werk neu einstudiere. Ich möchte ohne Beeinflussung zu meiner eigenen Interpretation finden.
Aber ebenso ist der Austausch mit wunderbaren Kolleginnen und Kollegen, wie ich ihn wieder auf Schloss Brunegg erleben durfte, eine Quelle der Inspiration und eine grossartige Bereicherung.

Seit zwei Jahren haben Sie eine Violin-Professur am Mozarteum in Salzburg. Was fasziniert Sie am Unterrichten?

Man lernt viel dabei, wenn man Dinge verbalisieren muss. Einen selbstverständlichen Bewegungsablauf oder eine musikalische Idee in Worte zu fassen, resultiert darin, dass auch für mich selbst alles klarer wird. Ich helfe den Studenten und darf selber daran wachsen. Der Austausch mit jungen Leuten ist in jeder Hinsicht sehr bereichernd. Somit ist das Unterrichten eine wunderbare Sache und ein grosser persönlicher Gewinn.

Zum Abschluss haben wir noch ein paar persönliche Fragen. Was wären Sie geworden, wenn Sie nicht Musikerin geworden wären?

Es war so selbstverständlich, Musik zu studieren, dass ich nie über eine andere Berufswahl nachgedacht habe. In der Schule hatte ich zwar grosses Interesse an den Fächern Biologie und Geografie, aber der Gedanke, diese zu studieren, wäre mir nie gekommen.

Was hören Sie für Musik in Ihrer Freizeit?

Generell höre ich wenig Musik in meiner Freizeit. Aber wenn, dann alles ausser zeitgenössischer klassischer Musik, auch wenn ich diese sehr gerne spiele und live höre.

Was machen Sie in Ihrer Freizeit?

Da widme ich so viel Zeit wie möglich meiner Familie und meinem kleinen Sohn, und ich liebe den Alltag zu Hause. Ich koche sehr gerne.

Was essen Sie am liebsten?

Eine eigentliche Lieblingsspeise habe ich nicht, aber ich liebe feines Essen. Ein Abend in einem Gourmet-Restaurant, zusammen mit meinem Lebenspartner, gehört für mich zu den genussreichen Dingen des Lebens.

Welche drei Dinge nähmen Sie mit auf die berühmte einsame Insel?

Meine Familie, ein gutes Buch und eine Aufnahme des C-Dur-Streichquintetts von Schubert mit dem Sandor Vegh-Quartett und dem einmaligen Cellisten Pablo Casals. Wenn ich an eine einsame Insel denke, verbinde ich das mit Zeit haben. Dies allein ist ein grosser Luxus für mich.

Esther Hoppe auf Radio Swiss Classic
Konzerte mit Esther Hoppe

Irène Maier, 24.06.2015


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