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Trio Rafale – Mit Rückenwind zum Gipfel

Das preisgekrönte Schweizer Trio Rafale ist derzeit auch über die Landesgrenzen hinaus sehr gefragt. - Quelle: Andreas Zihler Das preisgekrönte Schweizer Trio Rafale ist derzeit auch über die Landesgrenzen hinaus sehr gefragt. (Quelle: Andreas Zihler)

Was unspektakulär begann, entpuppte sich als Glücksfall sowohl für das junge Klaviertrio mit dem treffenden Namen Rafale als auch für die schweizerische Kammermusikszene. Kaum hatte es sich dem Fachpublikum vorgestellt, räumte es Preis um Preis an internationalen Wettbewerben ab und gehört heute zu den gefragtesten Trios weit über die Grenzen hinaus. Kritiker und Publikum sind des Lobes voll. Die Karriereleiter geht steil nach oben. Dennoch haben die drei Ausnahmetalente die Bodenhaftung nicht verloren und sind sich bewusst, dass der Weg in die höchste Liga mit viel Arbeit verbunden ist.

Trio Rafale - Quelle: Andreas Zihler Trio Rafale (Quelle: Andreas Zihler)

Es war eine Hausaufgabe, die den Grundstein für das junge Trio legte. Auf Geheiss ihres Klavierprofessors, Homero Francesch, sollte die Pianistin Maki Wiederkehr das a-Moll-Trio von Maurice Ravel einüben, was natürlich zwei Kammermusikpartner bedingte. Sie wandte sich auch gleich an ihre Wunschpartner, die sie als Studentin an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) kennen gelernt hatte. Der Geiger Daniel Meller, mit dem sie schon Duo gespielt hatte, war sofort begeistert, und nach einer kurzen Bedenkzeit wegen eines zeitlichen Engpasses gesellte sich der Cellist Flurin Cuonz dazu.

Fortuna wollte es, dass die Chemie auf Anhieb stimmte und ihr erster Konzertauftritt mit dem hoch anspruchsvollen Werk von Maurice Ravel von Erfolg gekrönt wurde. Nach dem geglückten Start war es sofort klar, dass man einen gemeinsamen Weg als ständiges Trio beschreiten will. Nun fehlte nur noch ein passender Name. Der Entscheid für das französische Wort «Rafale» entstand aus dem Gedanken heraus, den Begriff «Wind» als ständige Bewegung zu symbolisieren. Ausserdem passe der Name ganz gut zu ihnen, da ihr Geiger Daniel Meller aus der Romandie stamme, meinte Flurin Cuonz. Inzwischen haben sich die Veranstalter den Namen des Trios gemerkt und Konzertbesucher und -besucherinnen finden ihn immer häufiger in den Programmheften. Überall, wo das junge, auch äusserlich charmante Trio auftritt, wird es mit Ovationen sowohl von der Presse als auch vom Publikum überhäuft.

Die Pianistin Maki Wiederkehr - Quelle: Andreas Zihler Die Pianistin Maki Wiederkehr (Quelle: Andreas Zihler)

Der Pfad an die Öffentlichkeit führte zuerst einmal über Wettbewerbe. Ziemlich bald zeigte sich, welche Qualitäten dieses junge Trio nach kurzer Zeit aufweisen konnte. Es gewann Preis um Preis an den bedeutendsten Wettbewerben, als wäre dies die natürlichste Sache der Welt. Dem Gewinn des ersten Preises im Mai letzten Jahres in Osaka ist es zu verdanken, dass das Trio in diesem Jahr zu einer grossen Tournée durch Japan eingeladen wurde. Somit vergrössert sich der jetzt schon beachtliche geografische Radius ihrer Konzertauftritte rasant.

Auffällig an diesem aufstrebenden Trio sind nicht nur die vielen Auftritte im In- und Ausland, sondern auch das damit verbundene Repertoire. Der Werkkatalog reicht von der Klassik über die Romantik bis hin zur aktuellsten Gegenwart, und die Anzahl der Stücke, die sich in kaum sieben Jahren angesammelt hat, ist in einem Atemzug nicht zu lesen. Zurückzuführen sei dies auf eine regelmässige, aufwändige Probenarbeit, meint die Pianistin, in deren Wohnzimmer man auch das geeignete Probenlokal fand. Auch die Tatsache, dass bei den Wettbewerben eine grosse Bandbreite an Pflicht- und Kürstücken verlangt waren, hatte dazu beigetragen, dass vieles in kurzer Zeit erlernt werden musste.

Flurin Cuonz (Violoncello) - Quelle: Andreas Zihler Flurin Cuonz (Violoncello) (Quelle: Andreas Zihler)

Die Begeisterung, mit der die Musikerin und die beiden Musiker von ihrer Probenarbeit, ihrem Suchen nach einer schlüssigen Interpretation, ihren gemeinsamen musikalischen Erlebnissen sprechen, wirkt so ansteckend, dass man gleich zu ihrer Konzertagenda greift. Einen grossen Anteil an diesem Enthusiasmus und dem daraus resultierenden Erfolg hat ihr Mentor Eckart Heiligers. Der renommierte Professor für Klavier- und Kammermusik an der ZHdK hat sie von Anfang an unterstützt und betreut. Heiligers hat als Pianist des Jean Paul Trios selbst eine immense Erfahrung als Triospieler. «Er hat uns aufgebaut, uns eine Trioschule im besten Sinne vermittelt, uns motiviert und uns seine wertvolle Zeit immer grosszügig geschenkt», erklären die drei unisono. Auch heute noch dürfen sie sich auf seinen Rat verlassen. Zurzeit holt sich das Trio neue Impulse im Rahmen eines Nachdiplom-Studiums bei Rainer Schmidt in Basel.

Neben dem Triospiel, das für alle drei im Zentrum steht, widmen sie sich auch anderweitigen musikalischen Aufgaben. Die Pianistin Maki Wiederkehr ist eine begeisterte Pädagogin für kleine Tastenkünstler. Daneben spielt sie gerne Solorezitals und wenn ihr die Möglichkeit geboten wird, auch Klavierkonzerte mit Orchestern. Privat kann man sie an Sinfoniekonzerten und sicher an einem Konzertauftritt des schon legendären rumänischen Pianisten Radu Lupu antreffen. Die Tochter schweizerisch-japanischer Eltern interessiert sich für Literatur und Sprachen, kocht gerne und hält sich mit Joggen und Wandern fit.

Daniel Meller (Violine) - Quelle: Andreas Zihler Daniel Meller (Violine) (Quelle: Andreas Zihler)

Der Geiger Daniel Meller stellt seine kammermusikalischen Fähigkeiten in verschiedenen ad-hoc-Formationen unter Beweis. Momentan hat er eine zwischenzeitliche Stelle als zweiter Konzertmeister beim Berner Sinfonieorchester mit einem Teilpensum von fünfzig Prozent. Musikalisch findet Daniel Meller seine Vorbilder in der Oper, im Privatleben ist er ein passionierter Cineast. Als kulinarischer Geniesser stellt sich der gebürtige Romand gerne selbst an den Herd und zaubert japanische Köstlichkeiten. Für seine körperliche Fitness sorgt seine Hundedame Ellie, mit der er lange Spaziergänge unternimmt.

Flurin Cuonz hatte einen Zeitvertrag beim Musikkollegium Winterthur, der nun ausgelaufen ist. Das Musizieren im Orchester macht ihm unheimlich Spass und eine Halbzeitstelle bei einem renommierten Orchester wäre ein Traumjob für ihn. Daneben lägen dann zwei oder drei Solokonzerte und -rezitals immer noch im Bereich des zeitlich Möglichen. In seiner Freizeit besinnt sich der sportliche Naturfreund auf seine alpinen Bündner Wurzeln, wenn er nicht gerade seine Nase in ein Buch steckt oder sich mit Freunden den kulinarischen Genüssen hingibt.

Ein nächster Wunsch wird für das Trio im kommenden Sommer mit der Einspielung der dritten CD in Erfüllung gehen. Der Inhalt ist zwar noch streng geheim, aber sicher darf man sich jetzt schon darauf freuen.

Konzerte des Trios Rafale
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Website Trio Rafale


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